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Foto: Jugendtreff am Biederstein / KJR

Ab 28. April in Schwabing: Unter der Straße wird es bunt – Jugendliche verschönern trostlose Unterführung mit Graffiti

Jugendliche aus dem Jugendtreff am Biederstein gestalten die Fußgängerunterführung an der Ungererstraße, Ecke Leopoldstraße neu. Ab dem 28. April wird aus einem verwahrlosten Ort ein Platz für Graffiti und Street Art.  
Hier ist es in doppelter Hinsicht unterirdisch: schummrig, schon lange nicht mehr schön, ja fast unerträglich, so sagen es Anwohner in Schwabing. Die Rede ist von der Fußweg-Unterführung an der Ungererstraße, nördlich der Münchner Freiheit. Die meisten Passanten meiden sie, obwohl die oberirdische Querung der Straße wegen des starken Verkehrs gefährlich und wegen der Mittelleitplanke fast unmöglich ist.   

Nun bringen Jugendliche neue Farbe unter den Asphalt und wollen diesen unattraktiven Ort so aufwerten und beleben. Ab Freitag, 28. April wird die Unterführung mit Hochdruckreinigern gesäubert. Anschließend grundieren 15 Jugendliche aus dem Jugendtreff am Biederstein in der Gohrenstraße 6 zunächst alle Wände weiß und geben Graffiti-Workshops für Interessierte. Dann wird es farbig: Von Samstag, 29. April bis Montag, 1. Mai verwandeln sie die Fußgängerunterführung mit Graffiti in einen bunten Tunnel. Die Vernissage und Eröffnungsfeier der „neuen“ Unterführung ist am Montag, 1. Mai von 13 bis 16 Uhr. Im Herbst hatte der örtliche Bezirksausschuss grünes Licht für die Neugestaltung gegeben und sich damit für Street Art von Münchner Jugendlichen entschieden.

Im „Biederstein“, wie die Jugendlichen den Jugendtreff des Kreisjugendring München-Stadt (KJR) nennen, haben sich semiprofessionelle Graffitikünstlerinnen und -künstler mit interessierten Anfängerinnen und Anfängern zusammengefunden. „Natürlich werden sie nicht wahllos herumsprühen“, versichert Patricia Herzog, die Leiterin des Jugendtreffs. „Die Jugendlichen haben im Vorfeld verschiedene Konzepte erstellt, mögliche Bilder skizziert, darüber diskutiert und abgestimmt.“ 

Die Erfahrenen unterrichten dabei die Youngsters, so wie das im Biederstein üblich ist. Dort bringen zum Beispiel junge Hip-Hop-, Breakdance- oder K-Pop-Tänzerinnen und -tänzer den Jüngeren die richtigen Moves und Schritte bei.  

Beim Sprühen in der Unterführung geht es nun unter anderem darum, GraffitiTechniken und Farbenlehre zu vermitteln. „Wir legen besonderen Wert auf den respektvollen Umgang mit den Flächen und klären die Jugendlichen darüber auf, was erlaubt ist und was nicht“, sagt Herzog. Schließlich soll kein Jugendlicher Gefahr laufen, mit der Spraydose eine Straftat wie etwa Sachbeschädigung zu begehen. Ein weiteres Ziel des Vorhabens ist es, Graffiti und Street Art noch besser im öffentlichen Raum zu etablieren. „Legale Flächen für diese junge Kunst gibt es immer noch zu wenig“, beklagt die Pädagogin. „Dabei sind in der Stadt viele solcher grauen Flächen wie in der Unterführung hier vorhanden.“   

Immerhin gilt München als Ursprung der Street Art in Deutschland, die derzeit mit der Ausstellung „Magic City“ im Olympiapark gefeiert wird.  Mehrere KJR-Einrichtungen haben schon früh diese junge Kunst unterstützt und gefördert, so etwa der Zeugnerhof in Berg am Laim oder Die Färberei in Untergiesing.   

Der Jugendtreff am Biederstein greift schon lange neue Trends auf und ist so zum Hotspot der Jugendkultur geworden. Neben Hip-Hop und Breakdance finden hier Fans des aus Korea stammenden K-Pop ihre Heimat, auch Graffiti gehört schon lange dazu.  

Ihr Interesse, selbst Hand anzulegen und die Wände zu gestalten, hatten die Jugendlichen schon vor sechs Jahren im Jugendtreff am Biederstein kundgetan. Die Pädagoginnen und Pädagogen dort zeigten Ihnen auf, wie sie ihren Wunsch bei Behörden und Instanzen vorbringen können. Die Jugendlichen sammelten Unterschriften für die Umgestaltung im Stadtteil und in der Graffiti- und Street Art–Szene. Sie nutzten auch die Sprechstunde des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann (BA) und trugen ihr Anliegen in einer öffentlichen BA-Sitzung vor. Im Oktober 2016 wurde das Anliegen von Jugendlichen erneut in der BA-Sitzung angehört. Ihr Engagement wurde belohnt, der Bezirksausschuss gab Ihnen den Zuschlag, die Entscheidung fiel mit 16 gegen elf Stimmen jedoch knapp aus. Auch ein professioneller Künstler hatte sich um die Gestaltung der Flächen beworben.