
Das nördliche Teilstück der Corneliusstraße von der Blumenstraße bis zur Prälat-Zistl-Straße trägt ab heute offiziell den Namen Fritz-Neuland-Straße. Mit der Benennung der Straße nach dem langjährigen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Fritz Neuland, setze die Stadt München ein starkes Zeichen, so Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Einweihung: „Sie würdigt den Mut und die Entschlossenheit eines Mannes, der entscheidend dazu beigetragen hat, dass nach der Shoah jüdisches Leben in München wieder aufblühen konnte.“ Trotz der Verheerungen durch den Nazi-Terror habe er die Kraft und die Entschlossenheit aufgebracht, an der Vorstellung einer gerechten, friedvollen und humanen Welt festzuhalten und die jüdische Gemeinde im Nachkriegs-München neu aufzubauen.
Fritz Neuland wurde am 30. Januar 1889 in Bayreuth geboren. An der Ludwig-Maximilians-Universität München studierte Neuland Jura. Als jüdischem Anwalt wurde ihm nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten die Zulassung entzogen. Als sogenannter „Rechtskonsulent“ durfte er nur noch jüdische Mandanten beraten, ehe ihm auch diese Möglichkeit endgültig genommen wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs musste Neuland Zwangsarbeit in einer Rüstungsfabrik leisten. Seine Mutter Albertine wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort 1944 an Hunger. Seine Tochter, Charlotte Knobloch, konnte er auf dem Land verstecken. Sie folgte ihm später als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern nach.
Neuland selbst überstand die Jahre bis 1945 – nach einem Säureunfall gesundheitlich schwer gezeichnet – nur mit Hilfe von Freunden. Nach dem Kriegsende erreichte er die Wiederzulassung als Rechtsanwalt und beschloss, in München zu bleiben – zunächst zum Unverständnis seiner Tochter Charlotte Knobloch, wie diese nun bei der Einweihung der nach ihrem Vater benannten Straße berichtete. Erst später habe sie verstanden, dass er sich seine Heimat nicht nehmen lassen wollte, so Knobloch. Heute bewundere sie seinen Optimismus und sein Vertrauen in eine zweite Chance für jüdisches Leben in München.
Zum Wiederaufbau dieses jüdischen Lebens in München trug Fritz Neuland gemeinsam mit dem Kinderarzt Julius Spanier sehr aktiv bei. Auf ihre Initiative hin gründete sich am 15. Juli 1945 die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) neu. Spanier wurde ihr erster Präsident, Neuland ihr erster Vizepräsident und von 1951 bis zu seinem Tod 1969 deren Präsident. Von 1953 bis 1957 war Neuland außerdem Vorsitzender des Landesausschusses des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und von 1952 bis 1963 zudem Mitglied des Bayerischen Senats. Auf Neulands Initiative hin wurde 1969 auch der Gedenkstein für die ehemalige Münchner Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße errichtet. „Mit der Benennung der Straße, die zum St.-Jakobsplatz mit der neuen Hauptsynagoge und dem Jüdischen Gemeindezentrum führt, wollen wir der Erinnerung an Fritz Neuland einen festen und öffentlich sichtbaren Platz sichern und auch zeigen, welche Werte uns wichtig sind, nämlich Mut und Menschlichkeit auch unter schwierigsten Bedingungen zu zeigen“, betonte OB Dieter Reiter bei der Einweihung.
Charlotte Knobloch dankte der Stadt für die Benennung des Straßenstücks am Jakobsplatz nach ihrem Vater und bezeichnete diesen als Patrioten im besten Sinne und als Vorbild moralischer Geradlinigkeit.
Anne Riethmüller, die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer München, hob in ihrem Redebeitrag anlässlich der Straßenbenennung den Glauben Neulands an die Kraft des Rechts auch nach dessen Missbrauch durch die Nationalsozialisten hervor. Statt Verbitterung habe er Vertrauen in den Neustart des Rechtsstaats an den Tag gelegt. Die Benennung der Straße nach Fritz Neuland sei damit auch ein Bekenntnis zum Rechtsstaat, der von den Menschen getragen werden müsse, und zu den Werten des Grundgesetzes.
An der Feier zur Einweihung der Fritz-Neuland Straße nahmen neben Charlotte Knobloch und ihren Kindern Iris und Bernd Knobloch auch Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, Präsidentinnen und Präsidenten der Münchner Gerichte und zahlreiche Mitglieder des Münchner Stadtrats teil.








