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Donnerstag, 23 April 2026
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Gerüstet für außergewöhnliche infektiologische Gefahrenlagen: München Klinik nimmt modernisierte Sonderisolierstation wieder in Betrieb

Gerüstet für außergewöhnliche infektiologische Gefahrenlagen: München Klinik nimmt modernisierte Sonderisolierstation wieder in Betrieb
v.l.n.r.: Im Schutzanzug eine Mitarbeitende des TUM Klinikums, die kürzlich für die Sonderisolierstation geschult wurde, Dr. Tim Guderjahn (Kaufmännischer Geschäftsführer, München Klinik), Dr. Rainer Hutka (Amtschef, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention), Dr. Susanne Herrmann (Stellv. Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München) und Dr. Wolfgang Guggemos (Leitender Oberarzt, Infektiologie der München Klinik Schwabing). Bildnachweis: Klaus Krischock.

Lungenpest, Ebola oder unbekannte neue Erreger, die schwere Krankheiten mit oft hohen Sterblichkeitsraten auslösen: Für Krankheiten durch hochpathogene Erreger, sogenannte „high consequence infectious diseases“ (HCID), stehen in Deutschland insgesamt sieben Sonderisolierstationen (SIS) bereit. In der München Klinik Schwabing steht die einzige solche SIS in Bayern, die nach einer umfassenden Modernisierung nun wieder einsatzbereit ist. Die Station erfüllt höchste Sicherheitsstandards und besitzt als Behandlungszentrum spezialisierte Kompetenzen zur Versorgung von Patient*innen mit potentiell lebensbedrohlichen, ansteckenden Krankheiten mit besonderer Tragweite für das Behandlungspersonal und die öffentliche Gesundheit.

Da die Vorhaltung der SIS Ländersache ist, hat der Freistaat die Modernisierung gefördert. Die München Klinik ist verantwortlich für die Umsetzung und den Betrieb der Station bis 2028, danach soll die Verantwortung an die Universitätsklinika der LMU und TUM übertragen werden. Die Vorbereitungen für den Übergang laufen bereits.

Nach Erteilung der Betriebserlaubnis und Inbetriebnahme zum 01.01.2026 erfolgte nun die feierliche Wiedereröffnung. Zu den anwesenden Projektbeteiligten gehörten Vertreter*innen des Freistaates Bayern und der Landeshauptstadt München sowie der München Klinik, des LMU Klinikums und des TUM Klinikums.

Dr. Tim Guderjahn, Kaufmännischer Geschäftsführer der München Klinik: „Mit der jetzt abgeschlossenen Modernisierung haben wir gemeinsam mit dem Freistaat und allen Beteiligten eine Station geschaffen, die modernen Anforderungen entspricht und auf die sich Bayern im Ernstfall verlassen kann. Die Umsetzung war eine enorme Teamleistung. Von den Planern über die ausführenden Firmen bis zu unseren Teams – alle haben mit höchstem Engagement daran gearbeitet, diese hochsensible Station auf den neuesten Stand zu bringen.“

Dr. Wolfgang Guggemos (Leitender Oberarzt) und Dr. Michael Seilmaier (Oberarzt), medizinisch für den Betrieb der SIS verantwortliche Infektiologen der München Klinik: „Wir hoffen, dass diese Station niemals zum Einsatz kommen muss. Aber wenn ein HCID-Patient zu versorgen ist, dann muss die Station in allen Bereichen reibungslos funktionieren. Dazu ist infektiologisches Fachwissen, eine moderne Infrastruktur und für die Besonderheiten des Arbeitens auf einer SIS ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl erforderlich. Unsere neue SIS vereint diese Kriterien und damit ist Bayern für den infektiologischen Ernstfall bestens gewappnet.“

Markus Tatusch, Pflegerischer Leiter der Sonderisolierstation, Infektiologie der München Klinik Schwabing: „Auf der SIS zählt jeder Handgriff – und jeder Handgriff muss sitzen. Nur wer regelmäßig trainiert, kann in Extremsituationen ruhig und professionell handeln. Die intensiven interprofessionellen Schulungen machen eine sichere Versorgung erst möglich. Wir sind stolz, unser Wissen weitergeben zu können.“

Sonderisolierstation mit Strahlkraft

Bei der Behandlung von Patient*innen mit Infektionserkrankungen mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen (z.B. Ebola Fieber, Lassa Fieber) sind aufgrund der Erfordernisse für den Schutz der Umgebung und des Personals i.d.R. die üblichen Strukturen einer Klinik nicht zu nutzen, weshalb alle zur Versorgung dieser Patient*innen erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen auf einer autarken SIS zu gewährleisten sind. Die Modernisierung erfolgte unter den Gesichtspunkten des maximalen Infektionsschutzes bezüglich des eingesetzten Personals sowie des Schutzes der öffentlichen Gesundheit. Die baulichen Maßnahmen betrafen insbesondere die Belange einer hochkomplexen Klimatechnik mit Unterdruck in der Behandlungseinheit und mehrfachem Filtersystem der Abluft, einer Zutrittsbeschränkung durch Schleusen sowie einer hochmodernen Einheit zur sicheren Dekontamination des eingesetzten Personals.

Die Schwabinger SIS befindet sich im Haus 10 und damit in unmittelbarer Nähe zur infektiologischen Hauptabteilung und verfügt in einem hochgesicherten Behandlungsraum mit angegliedertem Labor über zwei intensivmedizinische Bettenplätze. Neben den baulich-technischen Anforderungen ist die elementare Voraussetzung für den Betrieb einer SIS die Vorhaltung von speziell ausgebildetem und geschultem Personal, das die besonderen Anforderungen der intensivmedizinischen Patientenversorgung unter den Erfordernissen eines maximalen Personalschutzes erfüllt. Hierzu ist es erforderlich, die komplexe Patientenversorgung im Ganzkörper-Schutzanzug mit integrierter Luftversorgung und Kommunikationstechnik zu verrichten.

Vorbereitet sein, wenn es darauf ankommt

Nicht alle ansteckenden Krankheiten sind „gleich ansteckend“. Die gängigen infektiösen Erkrankungen, wie Influenza, Covid-19 und Tuberkulose, aber auch seltene Tropenerkrankungen werden in der München Klinik allesamt in der spezialisierten Hauptabteilung für Infektiologie behandelt. Die SIS wird nur für HCID-Fälle (i.d.R. höchste Risikostufe IV) vorgehalten, die nicht auf einer gewöhnlichen Infektionsstation behandelt werden können. Hierzu zählen Erkrankungen wie Lungenpest, Ebola-, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber sowie andere seltene Infektionen. Wenn notwendig, kann die Station binnen weniger Stunden aktiviert werden.

München Klinik schult die Universitätskliniken – Wissenstransfer für die Zukunft

Die Vorhaltung einer solchen Spezialstation ist Länderaufgabe – und die kommunale München Klinik Schwabing erfüllt sie seit Jahrzehnten für den Freistaat. Perspektivisch wird der Betrieb der SIS ab 2028 an die beiden Münchner Universitätskliniken der LMU und TUM übergehen. In Vorbereitung auf den Übergang wurde bereits 2025 damit begonnen, neben dem Personal aus der München Klinik, intensivmedizinisch versiertes Personal von TUM und LMU für den Betrieb der SIS zu schulen und zu integrieren. Insgesamt halten die drei Institutionen nun einhundert geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die zu jeder Zeit im Bedarfsfall institutionsübergreifend unter fachlicher Leitung der Infektiologie der München Klinik auf der SIS eingesetzt werden können.

Bundesweites Renommee im Umgang mit hochansteckenden Erregern
Aufgrund der langjährigen Erfahrung in der Infektiologie und Tropenmedizin ist die München Klinik Schwabing Behandlungszentrum im deutschen STAKOB-Netzwerk zur Versorgung von Krankheiten durch hochpathogene Erreger, das übergeordnet vom Robert Koch-Institut (RKI) koordiniert wird. Die Kolleg*innen der Infektiologie sind für alle Abteilungen der MüK und auch national und international beratend tätig. Die Infektiologie war es auch, die Ende Januar 2020 die ersten Corona-Patienten in Deutschland und seitdem viele weitere behandelt hat – eine pandemische Herausforderung über mehrere Jahre, die vom ganzen Team durch hohe Fachkompetenz gemeistert wurde.