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Montag, 17 August 2026
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Im Raumschiff bestens versorgt: Neue Station für Knochenmarktransplantationen in Bogenhausen

Im Raumschiff bestens versorgt: Neue Station für Knochenmarktransplantationen in Bogenhausen
Prof. Tobias Herold (Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation und Palliativmedizin in der MüK Bogenhausen) und Yvonne Jegodtka (Stationsleitung Onkologie) in der neuen KMT - Foto: Klaus Krischock

Nigelnagelneues Zuhause für ein erfahrenes Team: Ende Juni ist die Knochenmarktransplantationsstation (KMT) aus Schwabing in den Bogenhausener Erweiterungsbau umgezogen und hat sich in diesem Rahmen auf acht Betten vergrößert. Die immunsupprimierten Krebspatient*innen, die eine Knochenmark- oder Stammzellspende erhalten, werden auf der neuen Station in hochmoderner, geschützter Atmosphäre versorgt – und doch nur eine Glastür getrennt von der Intensivstation. Die KMT komplettiert die große Klinik für Hämatologie und Onkologie, die bereits vor einem Jahr in ihre neuen Räumlichkeiten im Bestandsgebäude eingezogen ist.

Mondlandung. Mit einer solchen war für das KMT-Team der 3. Juli vergleichbar. Denn an diesem Tag, nur eine Woche nach dem Umzug aus Schwabing, erhielt die erste Patientin am neuen Standort in Bogenhausen eine Stammzelltransplantation – und noch am selben Tag erfolgte eine zweite Transplantation bei einem weiteren Patienten. Mit diesem erfolgreichen „Startschuss“ ist das Team um Chefarzt Prof. Tobias Herold und Stationsleitung Yvonne Jegodtka voll und ganz im neuen Habitat angekommen. „Die moderne Umgebung spiegelt die moderne Medizin und Pflege, die hier stattfindet. Wir versorgen Krebspatient*innen, die eine maximal invasive Therapie benötigen und viel Zeit hier verbringen. Deswegen freut es uns besonders, dass wir die Station so gestalten konnten, dass der lange, teilweise völlig isolierte Aufenthalt angenehmer wird“, sagt Chefarzt Prof. Tobias Herold. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Versorgung von Transplantationspatient*innen liegt in der Erfahrung des Teams. „Wir sind stolz auf unsere langjährige Erfahrung, viele Kolleg*innen sind seit Jahrzehnten da – deswegen haben wir im Pflegeteam auch überdurchschnittlich viele Kolleg*innen mit einer onkologischen Fachweiterbildung“, ergänzt Stationsleitung Yvonne Jegodtka, die gemeinsam mit der Pflegbereichsleitung Eva Hellinger über mehrere Jahre die neue Station geplant und beide federführend den Umzug begleitet haben.

 

Ein modernes „Raumschiff“, das vor Infektionen schützt

Die brandneue Station vergleicht das Team augenzwinkernd mit einem Raumschiff – denn der Weg zu ihr führt über Schleusen, hygienisch abgeschirmt von der Außenwelt. Und doch nur eine Glastür entfernt von der Intensivstation, die im Bedarfsfall ganz nah ist, ebenso wie die weiteren Fachbereiche des Bogenhausener Maximalversorgers. Auch die Intensivstation wurde mit speziellen Isolierzimmern ausgestattet, sodass im Falle einer schweren Infektion eine nahtlose Weiterbetreuung unmittelbar möglich ist. Von 5 auf 8 Betten hat sich die KMT im Rahmen des Umzugs vergrößert, im Schnitt 4 Transplantationen können so zu Beginn pro Monat durchgeführt werden. Die Patient*innen sind dazu 6 Wochen oder länger stationär in Bogenhausen. Die Phase der strengen Isolation nach einer Transplantation dauert in der Regel 4 Wochen. „In dieser Zeit ist das neue Immunsystem noch nicht funktionsfähig, und der Schutz vor Infektionen besonders wichtig. Wir bieten hier das Maximum an Sicherheit für unsere Patient*innen“, sagt Prof. Herold. Daher verfügt die neue Transplantationsstation über ein spezielles Mehrzonen-Belüftungssystem mit vier Schutzstufen: vom normalen Klinikflur bis hin zum gefilterten Überdruck-Einzelzimmer mit eigenem Bad. Auch die Wasserleitungen sind mit speziellen Filtern ausgestattet.

 

Gebündelte Expertise für Krebspatient*innen im Münchner Norden

Bereits vor einem Jahr, im Juli 2024, ist die Klinik für Hämatologie und Onkologie aus Schwabing nach Bogenhausen umgezogen, und wird mit der KMT-Station nun komplettiert. Die neue Klinik für Hämatologie und Onkologie im Bestandsgebäude umfasst zwei Hämatoonkologische Allgemeinstationen sowie die Hämatoonkologische Tagesklinik. In 1-und 2-Bett-Zimmern erhalten Patient*innen eine hochspezialisierte Versorgung für alle hämato-onkologischen Krankheitsbilder von gutartigen Bluterkrankungen über Blutkrebs bis hin zu soliden Tumoren. „Wir haben hier aktiv ein Umfeld mitgestaltet, in dem sich Patient*innen und Personal gleichermaßen wohlfühlen. Die zentrierte Behandlung von Krebspatient*innen ist beispielhaft für eine zukunftsfähige und hochqualitative onkologische Versorgung“, sagt Bereichsleitung Eva Hellinger.

Türklappe und Kühlschrank machen den Unterschied

Alle Zimmer der KMT sind Einzelzimmer, ausgestattet mit Fernsehern und W-LAN, um den Patient*innen den wochen- bis monatelangen Aufenthalt zu „verkürzen“. Eine Klappe in der Zimmertür ermöglicht es, dass das Personal die Infusionen wechseln kann, ohne das Zimmer betreten und die Patient*innen wecken zu müssen. Für mehr Ruhe sorgen ebenfalls die schallisolierten Türen mit integrierter Jalousie. Auch ein eigener Kühlschrank ist in allen Zimmern vorhanden. „Das klingt nach Hotel, erfüllt aber einen wichtigen Zweck. Unsere Patient*innen erhalten viele Medikamente, die den Geschmackssinn beeinträchtigen können. Viele Patient*innen präferieren eher kühle Lebensmittel und ein eigener Kühlschrank bedeutet hier ein großes Stück Lebensqualität“, sagt Stationsleitung Yvonne Jegodtka. Ein wichtiger Wohlfühlfaktor sind auch Besuche von Angehörigen, die unter entsprechenden Hygienevorgaben ermöglicht werden – dazu gehört das Tragen spezieller Kleidung und das Umkleiden vor dem Zutritt zur Station. Um die Mobilität während des langen Klinikaufenthaltes zu fördern, sind alle Zimmer mit Bettfahrrädern ausgestattet – und in der täglichen Physiotherapie werden die Patient*innen ermuntert, sich auf der Station außerhalb des Zimmers zu bewegen. Zusätzlich erhalten die Patient*innen eine Diätberatung und psychoonkologische Unterstützung.

Revolutionäre Behandlung ermöglicht weniger Abstoßungsreaktionen

Früher war bei Knochenmark- oder Stammzellspenden eine nahezu 100-prozentige genetische Übereinstimmung der Immunmerkmale eines Spenders und des Empfängers eine zwingende Voraussetzung. „Heute ist der mögliche Spenderpool viel größer – ermöglicht hat das eine medizinische Revolution“, sagt Prof. Herold. In den letzten Jahren hat die haploidentische Transplantation immer mehr zugenommen, also eine halbidentische Spende eines Verwandten mit einer Übereinstimmung von 50 Prozent. Eine entsprechende Übereinstimmung ist zum Beispiel bei den Eltern oder Kindern der Patienten gegeben. Eine spezielle Form der Chemotherapie, die erst nach der Transplantation durchgeführt wird, das sogenannte PTCY (Post-Transplant-Cyclophosphamid) ermöglicht das Verfahren. Sie eliminiert die T-Zellen, die eine schwere Abstoßung auslösen würden – die guten T-Zellen, für die Immunabwehr und die Bekämpfung der Krankheit, bleiben aber erhalten. „Durch PTCY sehen wir deutlich weniger Abstoßungsreaktionen im Vergleich zu früher“, ordnet der Chefarzt ein. Am Nachmittag des 3. Juli, kurz nach 14.00 Uhr, kamen die Stammzellen der ersten Bogenhausener Transplantationspatientin im Infusionsbeutel an. Angereist aus Norddeutschland, dort hatte ein anonymer Spender „gematcht“. Die Patientin empfing ihre Stammzellen mit den Worten: „Jetzt ist mein neues Leben da!“