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Fotos: Tierpark Hellabrunn/Marc Müller

Internationaler Eisbärentag im Tierpark Hellabrunn

München, 24.02.2015. Am Freitag, den 27. Februar 2015 steht das Hellabrunner Artenschutzzentrum wieder ganz im Zeichen des Eisbären. Anlässlich des Internationalen Eisbärentags erfahren Besucher alles Wissenswerte über die Tiere, ihre Gefährdung und den Klimawandel.

Eisbären haben in freier Wildbahn ein großes Problem: Dem größten an Land lebenden Raubtier der Welt schmilzt im wahrsten Sinne des Wortes der Lebensraum in den nördlichen Polarregionen weg. Hellabrunn möchte den Internationalen Eisbärentag dazu nutzen, auf die Gefährdung der Artgenossen der Münchner Eisbären Giovanna, Yoghi, Nela und Nobby aufmerksam zu machen. Der jährlich am 27. Februar stattfindende „International Polar Bear Day“ wurde 2004 von der Organisation Polar Bears International initiiert und will weltweit auf den Klimawandel und die damit verbundene Gefährdung der Eisbären hinweisen.

Im Seminarraum des Hellabrunner Artenschutzzentrums informieren am Freitag, den 27. Februar Ehrenamtliche des Tierparks von 10 bis 16 Uhr über den Klimawandel und geben Tipps, was jeder persönlich tun kann, um Eisbären zu retten. Zu sehen sein wird auch die Fotoausstellung des Natur- und Tierfotografen Norbert Rosing, in der er Eisbären fotografisch faszinierend festgehalten hat. Auf einer Leinwand können Besucher spannende Filmsequenzen der ersten Lebensmonate von Nela und Nobby aus dem Mutter-Kind-Haus anschauen.

Zudem zeigt Norbert Rosing um 19 Uhr im Artenschutzzentrum des Tierparks nochmals seine erfolgreiche und inspirierende Multimediashow „Im Reich der Eisbären“ (Teilnahme kostenlos, Anmeldung unter artenschutz@hellabrunn.de).

Zoodirektor Rasem Baban ist es ein großes Anliegen, dass Hellabrunn beim Internationalen Eisbärentag dabei ist: „Wir möchten die Chance nutzen, unseren Besuchern die Tragweite ihres Handelns in Bezug auf den Klimawandel näherzubringen. Viele Menschen kommen nach Hellabrunn, um den kleinen Eisbären Nela und Nobby beim Spielen zuzusehen, aber unser Fokus als Bildungseinrichtung liegt vor allem darauf, auf das Schicksal ihrer Artgenossen in freier Wildbahn aufmerksam zu machen und Anregungen zu geben, wie jeder von uns den natürlichen Lebensraum von Eisbären schützen kann.“

Auch in diesem Jahr lautet das Motto des Internationalen Eisbärentags „adjust your thermostat“. Teilnehmer des Aktionstags sollen ihr Thermostat 2°C hinunter bzw. heraufregeln (je nachdem, ob sie sich gerade im Winter oder Sommer befinden) und damit CO2 einsparen. Etwa ein Fünftel des Energiebedarfs in Deutschland wird für Heizung und Warmwasser verbraucht. Heizkosten sind damit eine wichtige Stellschraube, um Energie einzusparen und den CO2-Verbrauch zu senken.

Laut Weltnaturschutzorganisation IUCN liegt der aktuelle Bestand der Eisbären bei etwa 20.000 Tieren in freier Wildbahn. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet den Eisbären als „gefährdet“. Wissenschaftler rechnen damit, dass der Bestand innerhalb der nächsten Jahrzehnte weiter dramatisch abnimmt.

Der globale Klimawandel, der in der Arktis am deutlichsten sichtbar ist, gilt als die größte Bedrohung für den Eisbären: Innerhalb der vergangenen 100 Jahre ist die Lufttemperatur um 5°C angestiegen. Die Ausdehnung des Packeises ist seit 1985 um sechs Prozent zurückgegangen, die Eismasse sogar um fast 40 Prozent. Das Eis schmilzt im Frühjahr früher und kehrt im Herbst später zurück. Für die Eisbären, die auf dem Packeis ihre Hauptnahrungsquelle, Ringelrobben, jagen, hat das dramatische Folgen. Die Bären sind gezwungen, länger am Festland zu bleiben und leiden Hunger. Weibliche Eisbären können sich seltener ausreichende Fettreserven anfressen und bringen weniger Jungtiere zur Welt bzw. schaffen es nicht, ihre Jungen durchzubringen.

Seit 2014 unterstützt Hellabrunn die Organisation Polar Bears International. Mithilfe des „Bear Tracker Programm“ sammelt die internationale Artenschutzorganisation wichtige wissenschaftliche Daten zur Verbreitung, Habitatnutzung, Populationsgröße und Fortpflanzungsrate der Eisbären in der Kanadischen Hudson Bay. GPS-Daten von mit Sendern ausgestatteten Eisbären geben somit Auskunft über den Gefährdungsgrad der Eisbären und helfen, geeignete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Der Tierpark Hellabrunn hat die Kosten für ein solches Senderhalsband übernommen.

Anlässlich der EAZA Pole to Pole-Kampagne informierten die ehrenamtlichen Artenschutzbotschafter bereits im vergangenen Jahr an einem Infostand über die tierischen Bewohner der Polargebiete und den Klimawandel. Die europäische Zoovereinigung initiiert im Zwei-Jahres-Rhythmus Artenschutzkampagnen. Gemeinsam mit der IUCN hat die EAZA aktuell die Kampagne „Pole to Pole“ (von Pol zu Pol) gestartet, um auf die dramatischen und sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die Polarregionen hinzuweisen. Das Wappentier dieser Kampagne ist der Eisbär, der hierbei stellvertretend für die Tiere der Arktis steht. Als Stellvertreter für die Tiere der Antarktis wurde der Königspinguin ausgewählt, der ebenfalls in der Hellabrunner Polarwelt besucht werden kann.

Auch 2015 steht Hellabrunn noch ganz im Zeichen der EAZA Pole to Pole-Kampagne. So wird ab Ostern das „Info-Mobil Polarwelt“ wieder an mehreren Tagen pro Woche im Betrieb sein und die Zoobesucher über Eisbär, Pinguin & Co informieren.