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Kaiserwetter und sieben Meeting-Rekorde beim Münchner Ludwig-Jall-Sportfest 2017

München, 05.06.2017. „Es hat alles gepasst. Das Wetter hat mitgespielt, es gab reihenweise Topleistungen und die ganze Veranstaltung ist organisatorisch reibungslos über die Bühne gegangen“, bilanzierte Daniel Stoll, der in diesem Jahr für das Athletenmanagement zuständig war, nach der 32. Auflage dieses Traditionsevents. Letztendlich sorgten 470 Aktive auch bei Veranstaltungschef Peter Steinfeld vom PSV München für gute Laune. Dass Paralympics-Sieger Niko Kappel (VfL Sindelfingen) im Kugelstoßen mit 13,78 Metern dann auch noch einen neuen Weltrekord (Schadensklasse F41) aufgestellt hat, war quasi noch das Sahnehäubchen obendrauf auf diesen Pfingstsamstag.

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Schon ein Blick auf die Meldeliste der Hürdensprints männlich und weiblich ließ Topzeiten erahnen – und so kam es dann auch. Paulina Huber von der gastgebenden LG Stadtwerke München verbesserte über 100-Meter-Hürden ihre erst kürzlich aufgestellte Bestzeit (13,60 Sekunden) abermals deutlich auf nun 13,48 Sekunden und muss nun noch acht Hundertstelsekunden schneller sein, um die Qualifikationszeit für die U23-Europameisterschaft in diesem Sommer zu erreichen. Die Bundeskadernorm hat sie indes nun erfüllt. Bei den Männern setzte sich über 110-Meter-Hürden der deutsche Hallen-Vizemeister Alexander John (LAZ Leipzig) in 13,68 Sekunden gegen den deutschen Freiluft-Meister Matthias Bühler (LG Eintracht Frankfurt/13,77 Sekunden) und Maximilian Bayer (MTV Ingolstadt/13,88 Sekunden) durch. Die Lokalmatadoren Sebastian Barth (13,97 Sekunden) und Pedro Garcia-Fernandez (14,07 Sekunden) folgten gleich dahinter.

Zu den absoluten Höhepunkten zählten auch die 400-Meter-Rennen. Bei den Männern war LG-SWM-Athlet Johannes Trefz in 46,39 Sekunden – deutscher Jahresbestzeit – der Schnellste vor den beiden Briten Theo Campbell (46,87 Sekunden) und Owen Smith (46,91 Sekunden). Das Frauenrennen gewann die portugiesische Olympia-Teilnehmerin Catia Azevedo (52,18 Sekunden) – für die beste Leistung des Meetings mit dem Ludwig-Jall-Ehrenpreis ausgezeichnet – vor der 800-Meter-Spezialistin Christina Hering von der LG SWM, die mit 53,29 Sekunden erfolgreich testete, was sie auf der Unterdistanz derzeit anzubieten hat.

Erstmalig hatte der Ausrichter den Aktiven in den Sprints Rückenwind-Garantie offeriert – und dieses Versprechen mit mehrfachem Laufrichtungswechsel verteilt über den Wettkampftag auch eingehalten. Über 100 Meter der Frauen nutzte Amelie-Sophie Lederer (LAC Quelle Fürth) diese Tatsache voll und ganz aus und kam in glänzenden 11,43 Sekunden als Erste ins Ziel. Auch die Siegerzeit des Österreichers Markus Fuchs (10,43 Sekunden) konnte sich sehen lassen. Daniel Hundt (10,85 Sekunden) belegte als schnellster LG-SWM-Athlet dieses Meetings Rang vier im Endlauf.

Über 400-Meter-Hürden sahen die Zuschauer ebenfalls ein Rennen auf hohem Leistungsniveau. Der Brite Luke Campbell und der Deutsche Meister Felix Franz (LG Neckar-Enz) siegten zeitgleich in 50,49 Sekunden.

Das 1500-Meter-Rennen der Frauen gewann Julia Kick (LG Telis Finanz Regensburg) in 4:14,06 Minuten vor Lokalmatadorin Katharina Trost, die ihre persönliche Bestleistung auf 4:18,10 Minuten verbesserte und bewies, dass sie als frühere 800-Meter-Spezialistin immer besser auf ihrer neuen Strecke zurechtkommt.

Auch in den technischen Disziplinen kamen richtig gute Leistungen zustande. Zur Freude seines Trainers Richard Kick verbesserte sich Dreispringer Paul Walschburger um weitere zehn Zentimeter auf nun 15,56 Meter, führt damit ganz klar die nationale U20-Bestenliste an und rangiert als 19-Jähriger bereits bei den Männern auf Rang zwei hinter Europameister Max Heß.

Alina Kenzel (VfL Waiblingen) erwies sich mit exakt 17 Metern als beste Kugelstoßerin. Olympia-Teilnehmerin Lena Urbaniak (LG Filstal) hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt und verließ die Anlage ohne gültigen Versuch. Bei den Männern siegte Valentin Döbler mit 18,61 Meter. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann Döbler, der noch in der U23-Altersklasse startberechtigt ist und sich kürzlich auf 18,98 Meter gesteigert hat, erstmalig die 19-Meter-Marke übertrifft.

Die mehr als 40 Entscheidungen des siebenstündigen Meetings können an dieser Stelle nicht alle erwähnt werden. Zur kompletten Ergebnisliste geht es hier.

Neue Meeting-Rekorde haben aufgestellt:

Catia Azevedo, 400 Meter, 52,18 Sekunden (bislang: 53,37 Sekunden)

Paulina Huber, 100-Meter-Hürden, 13,48 Sekunden (bislang: 13,50 Sekunden)

Alexander John, 110-Meter-Hürden, 13,68 Sekunden (bislang: 13,76 Sekunden)

Alina Kenzel, Kugelstoßen, 17,00 Meter (bislang: 16,22 Meter)

Julia Kick, 1500 Meter, 4:14,06 Minuten (bislang: 4:21,68 Minuten)

Amelie-Sophie Lederer, 100 Meter, 11,43 Sekunden (bislang: 11,47 Sekunden)

Paul Walschburger, Dreisprung, 15,56 Meter (bislang: 15,30 Meter)

Stimmen von Aktiven der LG Stadtwerke München zum Meeting:

Sebastian Barth (110-Meter-Hürden): „Nach fünf Hürden lag ich noch vorne. Man merkt halt noch immer, dass ich die ganze letztjährige Sommersaison verletzungsbedingt keine Wettkämpfe bestreiten konnte. Aber das kriegen wir schon noch hin, da vertraue ich meinem Trainer.“

Valentin Döbler (Kugelstoßer): „Ich bin etwas schwer in den Wettkampf reingekommen. Dann lief es aber ganz ordentlich und im letzten Durchgang habe ich nochmals die Kugel richtig gut fliegen lassen. Ein Riesenlob möchte ich den Organisatoren aussprechen.“

Pedro Garcia-Fernandez (110-Meter-Hürden): „Ich bin gerade dabei, meine Technik vom Startblock bis zur ersten Hürde zu verändern, das braucht Zeit. Insgesamt lief das Rennen leider nicht so flüssig wie die Läufe zuvor.“

Christina Hering (400 Meter): „Ich wollte zwar Bestzeit laufen, bin aber trotzdem sehr zufrieden. Etwas Zeit habe ich wohl in der zweiten Kurve liegen lassen, da hab ich mal kurzzeitig mal den Druck verloren. In Dessau will ich endlich die WM-Norm über 800 Meter abhaken.“

Paulina Huber (100-Meter-Hürden): „Ich bin mit einer leichten Mandelentzündung angetreten. Den Heimvorteil wollten mein Trainer Balthasar Bischlager und ich nutzen. Endlich hatte ich mal Rückenwind, das gab es in dieser Saison bislang noch nicht.“

Johannes Trefz (400 Meter): „Es hat einfach Riesenspaß gemacht, hier zu laufen. Da ist noch mehr drin, aber ich bin auf einem guten Weg. Mit der Zielgeraden war ich richtig zufrieden.“

Paul Walschburger (Dreispringer): „Eigentlich hab ich mich vor dem Wettkampf gar nicht so gut gefühlt. Jetzt fehlen mir noch vier Zentimeter für die Norm zur U20-Europameisterschaft. Ich hoffe, dass ich die dann bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft (17./18.06. in Leverkusen, die Red.) springen kann.“

Text: Dietrich Mauersberg