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Foto: © Niculai Constantinescu | NC Photography

KONTRA K – Neues Album des Berliners „Gute Nacht“ erscheint am 28. April 2017

Ende Mai 2016, die deutschen Albumcharts: Kontra K steht mit LABYRINTH auf der Eins. Was für einen Story! Ein Berliner Rapper, von der Straße auf die Pole Position.

Genau darum geht’s doch im HipHop, aus dem Dreck nach ganz oben kommen, den Neid der anderen auf sich ziehen. Oder? „Quatsch!“, sagt Kontra K, der bürgerlich Maximilian Diehn heißt und dessen Attribute Klarheit und Bodenhaftung geblieben sind. „Platz eins? Mir egal. Kann ich mir morgen auch nichts für kaufen.“ Wenn sich im Leben von Kontra K etwas verändert hat, dann das: Der Hunger ist noch größer geworden. Kein Jahr nach dem Hitalbum hat Kontra K den Nachfolger fertig. Kein Aufguss der Erfolgsplatte, sondern etwas völlig Neues: 18 Tracks, neuer Sound, neues Produzententeam, neues Label. Erfolg macht träge? Da kennt ihr Kontra K aber schlecht.

Das Album, sein sechstes, heißt Gute Nacht“ und erscheint am 28. April via BMG Rights.

Warum nennt ein wacher Geist wie Kontra K sein neues Werk ausgerechnet GUTE NACHT? Ein Blick aufs Cover reicht, um zu erkennen: Schlafen legen will er sich sicher nicht. Sein GUTE NACHT meint: Wer sich hinlegen will, der soll das tun – ich bin aber noch voll da! Im zentralen Track „Mehr als ein Job“ beschreibt er seine Lebensphilosophie: „Man ist nur einmal jung, hat nur einmal die Kraft, also halt’ ich das Glück in der Hand.“

Kontra K ist ein wahnsinnig guter Boxer, trainiert mit Weltmeistern vom Team Sauerland, Deutschlands wichtigstem Stall für Profiboxer. Auf den früheren Alben handelten seine Texte zentral vom Kampfsport. Die neuen Tracks finden andere Bilder. Der Song „Glücklichen“ handelt von den Menschen, die blauäugig durch die Welt gehen. „Das sind die Glücklichen“, sagt er. „Ich könnte nicht so leben wie sie. Ich weiß zu viel über diese Welt, ich muss mich an ihr abarbeiten.“ Aber das lohnt sich: „Die besten Diamanten findet man unter tausend Tonnen Dreck“, heißt die Eingangszeile von „Diamanten“, der ersten Single der Platte, die mit ihren peitschenden Beats und der verführerischen Melodie sofort zum Fanfavoriten aufstieg.

Als Teenager kam Kontra K in Kontakt mit Drogen, rutschte in die Kriminalität. Er lernte die Gestalten der Schattenwelt kennen, beschreibt sie in „Ratten“, dem Auftaktstück des Albums, das den Hörer mit seiner düsteren Atmosphäre in die Platte hineinzieht. Mit üblichem Gangsta-Rap-Gefasel hat Kontra K nichts am Hut. Er prahlt nicht mit dem Mist, den er früher gebaut hat. Und schon gar nicht macht er einen auf dicke Hose, weil er es nach oben geschafft hat. Im Track „Gift“ beschreibt Kontra K den Teufelskreis, in den man hineingeraten kann, wenn man sein Leben einfach nur laufen lässt. Der Song ist düster, doch die Botschaft hoffnungsvoll: „Warum lassen wir die Dunkelheit gewinnen?/ Aus dem Schatten ist es nur ein Schritt.“ Zu hören ist hier auch die Rap-Crew AK Ausserkontrolle, Berlins berüchtigte Gangsta-Truppe, die sich an der Seite von Kontra K überraschend reflektiert zeigt. Das vom Dancehall beeinflusste „Plem Plem“ mit RAF Camora und Bonez MC von Hamburgs 187 Strassenbande ist dagegen eine astreine Abreibung mit harter Message.

Diese Mischung aus Angriff und Reflexion macht Kontra K so einzigartig: Er bietet deutschem Rap eine neue Perspektive. Gerade Leute, die sonst wenig HipHop hören, erkennen die Kraft und Energie, die in diesen Tracks steckt. Und Kontra K wird weitermachen, auf Tour gehen, die großen Festivals wie Southside und Hurrcane spielen. Solange der Hunger noch da ist. Und satt ist er noch lange nicht.