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Musik ist ihre Leidenschaft – Newcomerin Sarah Straub im Interview

Frisch ausgezeichnet mit dem deutschen Rock&Pop Preis 2014 in den Kategorien “bestes Pop Album” und “bester neuer Künstler” sorgt Sarah Straub mit ihrem aktuellen Album „RED“ bundesweit für Aufsehen – sowohl in der Fachpresse als auch auf ihren unzähligen Live-Konzerten. Ob als Support für Musikgrößen wie Joe Cocker oder auf ihren eigenen abendfüllenden Konzerten – Sarah Straub begeistert auf der Bühne mit einer von Charisma geprägten Strahlkraft und den von ihr selbst verfassten, packenden Songs. Dass kein Stück wie „von der Stange“ klingt, verdankt sie ihrer wandelbaren Stimme, die mal zerbrechlich, mal in höchstem Maße vital klingt. Besondere Momente sind Balladen, bei denen sich die Multiinstrumentalistin selbst am Klavier begleitet, ganz auf die Ausdruckskraft ihrer Stimme setzt und beweist, dass sie die Königsdisziplin ‚Eine Frau und ein Piano‘ perfekt beherrscht.

Wir haben die sympathische Newcomerin vor ihrem Auftritt im Nightclub des Bayerischen Hofs in München zum Interview getroffen und mit ihr über ihre neue CD, ihren Support-Auftritt für Lionel Richie und ihre weitere Pläne geplaudert!

Musik ist definitiv Deine Leidenschaft. Und auch der Mittelpunkt Deines Lebens?

In den letzten vier Jahren ist die Musik immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Ich habe mir eine Band gesucht und die erste Platte aufgenommen – da war noch alles recht klein, aber doch sehr ambitioniert. Ich habe sehr viel Zeit investiert – und jetzt ist es der Mittelpunkt meines Lebens.

Deine Videos und Songs sind ja sehr professionell produziert.

Genau, das neue Album ist mit ganz tollen Produzenten und Musikern entstanden. Wir waren dazu in unterschiedlichen Studios, z.B. im „8 Ohm Studio“ in Mering. Gemischt hat das Album der Niko Faust – er macht auch Jupiter Jones oder den Stefan Dettl. Der Uli Fiedler und der Adrian Winkler waren die Produzenten.

Du hast jetzt auch Deine Doktorarbeit für Psychologie abgegeben; und mit der Musik bist Du auch voll durchgestartet – wie schafft man diese Doppelbelastung?

Anfangs dachte ich, es wäre eine gute Idee, eine Doktorarbeit zu schreiben, weil man von den Arbeitszeiten her recht flexibel ist … aber es war echt hammerhart. Man muss ja auch in eine Doktorarbeit viel Zeit investieren. Ich habe Patienten mit einer seltenen Erkrankung untersucht und arbeite im Rahmen der Doktorarbeit an der Uniklinik in Ulm; aber ich habe Gott sei Dank einen Chef, der mich und meine Leidenschaft für Musik versteht und der mir immer ganz viel Freiraum gegeben hat. Jetzt bin ich aber froh, dass es vorbei ist!

Hat man da nicht manchmal den Gedanken: es läuft gerade mit der Musik so gut, da schmeiße ich das andere hin und erspare mir den Stress? Und warum hast Du Dich entschieden, das Studium auf jeden Fall durchzuziehen?

Klar hat man diese Gedanken. Aber es ist so schwer, nur von der Musik gut zu leben. Im Moment ist es so, dass ich alles, was ich verdiene, auch wieder investieren muss. Daher bin ich schon froh, dass ich noch einen Plan B habe, bei dem ich jeden Monat festes Geld verdiene; diese Geld kann ich dann wiederum verwenden, um mit der Musik noch mehr Gas zu geben.

Du hast viele Preise gewonnen, u.a. „Bester Pop-Künstler“, „Beste Pop-Band“ und „Bestes Album“. Arbeitet es sich mit solchen Auszeichnungen im Rücken leichter? Sind die Leute interessierter an dem, was Du tust, oder merkst Du kaum einen Unterschied zu vorher?

Doch, bei Veranstaltern merke ich den Unterschied. In vielen Regionen, die ich derzeit bespiele, bin ich ja unbekannt. Wenn man solche Preise gewonnen hat, dann haben die Veranstalter zumindest einen Anhaltspunkt, dass das, was ich mache, auch amtlich ist. Ich habe also schon das Gefühl, dass es mir hilft.

Ich könnte mir vorstellen, dass Du gerade ziemlich ausgelastet bist mit Deinen Projekten. Trotzdem spielst Du auch mit anderen Künstlern zusammen, jetzt zum Beispiel mit Siggi Schwarz. Bist Du ein Workaholic?

Mich reizen solche Zusammenarbeiten sehr! Gerade der Siggi ist auf der Gitarre eine Koryphäe und bringt noch einen ganz anderen Sound mit rein. Ich stehe total auf diesen Gitarrensound! Deswegen fand ich es total geil, dass er Lust hatte, mit mir zusammen etwas zu machen – bei einigen meiner Gigs ist er Special Guest, wir spielen im Duo zusammen, und das macht wahnsinnig viel Spaß! Und es inspiriert mich auch, denn es ist eine ganz andere musikalische Ecke, die da noch mit rein kommt.

Deswegen warst Du auch mit ihm im Studio und hast für ihn Background Vocals aufgenommen …

Genau, wir waren jetzt zusammen im Studio, und im Sommer führen wir  „Milestones of Rock“ live mit den Stuttgarter Philharmonikern und Bobby Kimball, der bei Toto war, auf.

Wie schreibst Du Deine Songs? Was inspiriert Dich?

Mich inspirieren vor allem Gefühle, nicht unbedingt konkrete Situationen. Es gibt Tage, da kommt diese Gefühl, und dann denke ich mir: „Jetzt muss ich mich unbedingt ans Klavier setzen“ … und dann fließt es. Die Muse küsst einen oder eben nicht – das Ganze ist nicht kalkulierbar. Manchmal entsteht ein Song in fünf Minuten; es gibt aber auch Titel, an denen schreibe ich monatelang, bis sie mir wirklich gefallen.

Sich also einfach hinzusetzen und sich vorzunehmen, jetzt ad hoc einen Song zu schreiben, funktioniert nur in den seltensten Fällen?!

Ja! Und es sind auch immer die ungünstigsten Situationen, in denen die Inspiration plötzlich kommt: mitten in der Nacht zum Beispiel, wenn man am nächsten Tag ganz früh raus muss. (lacht) Aber gut, ich bin jung … was soll‘s! Ich setze mich dann trotzdem ans Klavier.

Du spielst ja auch sehr viel live – kommt da irgendwann Routine rein, oder bist du vor Deinen Auftritten aufgeregt?

Es wird mit der Zeit schon ein wenig gemütlicher. Ich bin mittlerweile schon sehr routiniert, habe das Lampenfieber unter Kontrolle und gehe entspannt auf die Bühne. Aber zum Beispiel Abende wie heute, wenn der Siggi Schwarz dabei ist und etwas Außerplanmäßiges passiert, sind schon spannend! Ich habe zudem eine neue Band – auch das ist spannend. Wir spielen erst seit Anfang des Jahres zusammen. Die Jungs sind ganz tolle Musiker: zwei sind von der Mannheimer Pop-Akademie, die sind natürlich sehr versiert; und dann der Domi Scherer am Schlagzeug … die spielen alle saugeil! Es macht ganz viel Spaß, aber wir sind eben noch nicht so eingespielt, als würden wir schon jahrelang zusammen Musik machen.

Auf dem Bluetone Festival bist Du jetzt dann der Opener für Lionel Richie. DA ist man dann aber schon aufgeregt, oder?!

Ja, vor allem, weil man ihn dann trifft!

Wie bist Du dazu gekommen?

Ich bin in einem Förderprogramm für bayrische Pop- und Rock-Musiker, das heißt „by-on“ und ist angegliedert ans Wirtschaftsministerium. Die fördern mich schon seit zwei, drei Jahren, vermitteln solche Support-Slots und unterstützen auch finanziell. Die haben mich 2013 schon als Support für Joe Cocker „platziert“; und dieses Jahr jetzt für Lionel Richie! Das ist so toll – noch dazu, weil sein Publikum auch sehr gut zu mir passt.

Gibt es denn musikalisch einen Hero für Dich, mit dem Du unbedingt mal zusammenarbeiten willst?

Bei mir ist das Sara Bareilles, hier in Deutschland ist sie nur leider nicht so durchgestartet; sie hatte hier bei uns einen Hit, der hieß „Love Song“; aber in Amerika füllt sie Stadien. Wenn sie anklopfen und sagen würde, dass sie mich mit auf Tour nimmt … Oh mein Gott, ich würde alles stehen und liegen lassen! Ich habe sogar ihren Song auf meinem Arm tätowiert!

Aber Lionel Richie wäre natürlich auch toll – der hat so abartig gute Songs! Als Songwriter wünscht man sich wahrscheinlich ein Leben lang, solche Lieder zu schreiben! Ach, es gibt so viele, die ich bewundere…

Wenn man Deinen Werbegang beobachtet, dann sieht man, wie Deine Karriere gerade steil nach oben geht. Gibt es Momente, in denen man davor Respekt bekommt, dass das alles so schnell wächst? Macht einem das manchmal Angst?

Gar nicht. Für mich fühlt es sich auch gar nicht so schnell an. Ich habe das Gefühl, dass ich wirklich viel arbeite und jetzt endlich das zurückbekomme, was ich mir immer gewünscht habe; ich genieße das gerade einfach! Das ist ja genau das, was man als Musiker möchte: die Aufmerksamkeit, den Applaus und die Möglichkeit, viel zu spielen. Diesen Traum hatte ich schon als Kind.

Du hast Deine Erfolge aus eigener Kraft erarbeitet. Welche Tipps hast Du denn für andere junge Musiker, die gerade am Anfang stehen und mit ihrer Musik weiterkommen möchten? Viel live spielen, die Plattenfirmen nerven?

Auf jeden Fall ganz viel live spielen! Im Endeffekt muss man sich das Publikum erstmal erspielen. Und ich glaube, erst dann wird man heutzutage für die Plattenfirmen interessant. Die nehmen nicht mehr so viel Risiko in Kauf, die nehmen lieber Künstler unter Vertrag, die sich schon eine Fan-Base aufgebaut haben. Außerdem ist live spielen gut für die Routine. Heutzutage verkauft man nicht mehr so viele CDs; auch spotify ist schlecht für uns als Künstler, weil man nichts mehr verdient. Als Künstler verdient man heute viel mehr Geld über die Tourneen. Live spielen ist also das A und O.

Und dann: einfach durchhalten! Ich habe so das Gefühl, viele, die mich begleitet haben, haben einfach aufgegeben, weil sie keinen Atem mehr hatten. Einfach durchhalten – und irgendwann klappt es auch. Wenn man gut ist, dann macht man seinen Weg; und irgendwo findet man schon seine Nische.

Wo soll es für Dich jetzt noch hingehen? Die Welt erobern?!

(lacht) Erstmal wäre es natürlich toll, meinen Erfolg auf ganz Deutschland ausweiten zu können. Ein Ziel ist es auch, noch mehr ins Radio zu kommen. Gerade im Pop-Bereich ist es für einen jungen Künstler besonders wichtig, viele Air-Plays zu haben.

Sarah Straub sollte man definitiv im Auge behalten! Die Sängerin ist nicht nur sympathisch, sondern vor allem wahnsinnig talentiert! Dies stellte sie im Anschluss an unser Interview bei ihrem Konzert unter Beweis. Wir sagen: mit Lionel Richie kann sie auf jeden Fall mithalten!