Neue Wege wagen: Nachhaltiger Wintertourismus in den bayerischen Alpen

Foto: Wolfgang Ehn

Die Grenzen der Beschneiung sind bald erreicht. Wer einen langfristig ökonomisch, ökologisch und sozial intakten Tourismus in den bayerischen Alpen haben will, muss also jetzt reagieren, und nicht erst in 20 Jahren. Es gilt, das touristische Angebot breit, vielfältig und regionenspezifisch aufzustellen. Dazu gehört es, neue Wege zu wagen. Das Setzen auf einen dominanten Pistentourismus führt hingegen in die Sackgasse.

 Widersprüchliche Beschneiungsstudien?
Selbst bei einem massiven Ausbau der Beschneiung werden in rund 20 Jahren nur noch 50 bis 70 Prozent der Skigebiete in den bayerischen Alpen schneesicher sein. Auf lange Sicht sind nur die Skigebiete bei Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf wirtschaftlich zu führen. Das geht aus einer Studie hervor, die der DAV in Auftrag gegeben und im April 2013 veröffentlicht hat.

Dieser Diagnose steht eine aktuelle Studie entgegen, die der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) Ende November 2014 vorgestellt hat. Demnach ändert der Klimawandel nichts an den Bedingungen für Beschneiung in allen Skigebieten in den bayerischen Alpen. Ob zwischen beiden Studien ein Widerspruch vorliegt, ist derzeit jedoch nicht überprüfbar: Bei der Vorstellung des VDS wurden nur einige Kernthesen präsentiert, während die Studie selbst nicht vorgelegt wurde und wohl auch erst im März 2015 kommt. Aus bekannt gemachten Handouts geht allerdings hervor, dass die VDS-Studie auf den Messungen von nur sehr wenigen Messstationen im bayerischen Alpenraum zurückgreift (Oberstdorf, Zugspitze, Garmisch, Hoher Peißenberg und Wendelstein). Die Aussagekraft der Ergebnisse darf also angezweifelt werden.

Der Wettbewerb der Skigebiete
Nicht alleine der Klimawandel zwingt die Touristiker zum Umdenken. Auch die Marktsituation hat sich verändert: Immer stärker technisierte Skigebiete befinden sich in einem harten Wettbewerb um eine stagnierende und zuletzt auch kleiner werdende Zielgruppe. Dabei können die bayerischen Skigebiete nur verlieren, wenn sie mit den nahe gelegenen Skigebieten in Österreich oder der Schweiz um Größe, Schneesicherheit und technische Ausstattung konkurrieren möchten. Gewinnen können sie nur, wenn sie sich intelligent und flexibel auf ihre eigenen Stärken besinnen. Diese sind: die Lage am Alpenrand, die spezielle, eher kleinräumige Topografie der heimischen Berge und die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Region.

Neue Wege wagen: Was kann der DAV beitragen?
Der DAV ist der größte Bergsportverein der Welt und gleichzeitig der größte Naturschutzverein in Deutschland. Bei der Gestaltung des Tourismus in den bayerischen Alpen kommt ihm deshalb eine gewisse Verantwortung zu. Als Besitzer von 325 öffentlich zugänglichen Hütten und Betreiber von 30.000 Wanderweg-Kilometern wird er dieser Verantwortung seit seiner Gründung gerecht. Darüber hinaus ist er an der Ausgestaltung des Alpentourismus in vielen Projekten aktiv. Drei aktuelle Projekte können als Bausteine für die Entwicklung eines vielfältigen Wintertourismus in den bayerischen Alpen wichtige Beiträge leisten:

  • Natürlich auf Tour
    Das ist die neue Kommunikationskampagne zum Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“. Mit ihr sollen die naturnahen und sanften Sportarten Skitourengehen und Schneeschuhgehen gefördert, kommuniziert und so gestaltet werden, dass sie langfristig gut und naturschonend möglich sind.
  • Skitouren auf Pisten
    Diese noch junge Bergsportdisziplin boomt. Mit dem Projekt will der DAV das Tourengehen auf Pisten so gestalten, dass alle davon profitieren: die Skigebiete, die Sportlerinnen und Sportler und die Natur.
  • alpenvereinaktiv.com
    Viele naturnahe Winterbergsport-Möglichkeiten sind einem breiten Publikum schlichtweg nicht bekannt. Das Tourenportal der Alpenvereine macht alle Infos für die Tourenplanung leicht zugänglich und setzt dabei unter anderem auf eine tiefgreifende Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden.
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