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Peter Maffay im Interview zu Tabaluga „Es lebe die Freundschaft!“

Was unterscheidet das neue Tabaluga-Album von den früheren Tabaluga-Alben und um was geht es in der neuen Geschichte?

Was wir bis jetzt noch nie gemacht haben ist eine Art „Best of“-Album. Wir haben jetzt also überlegt, was uns als Wert fundamental wichtig ist. Und dabei sind wir auf einen Begriff gestoßen, ohne den wahrscheinlich niemand im Leben auskommt, nämlich: Freundschaft. Um diesen Begriff herum haben wir die Geschichte einer besonderen Freundschaft erfunden: Tabaluga verliert sein Gedächtnis und dann kommt so ein neuer kleiner Kumpel daher, ein Glückskäfer, der sagt: „Ich kenne deine Geschichte, wenn du willst, erzähle ich sie dir!“ Er holt die ganzen Erinnerungen aus der Vergangenheit in Gestalt der Songs von früher hervor, die wir neu aufgenommen haben, und die in der Geschichte mit neuen Songs und neuen Inhalten verbunden werden. Die Quintessenz dabei ist, dass die chronischen Kontrahenten, Arktos und Tabaluga, am Schluss Freunde werden. Zunächst erzwingen die Umstände in der Geschichte, dass sie ohne es zu wollen kollaborieren müssen, und aus dieser Situation heraus resultiert die Erkenntnis: Miteinander ist es besser als Gegeneinander – und Miteinander könnte sogar bedeuten: Freundschaft. Aber die muss man hegen und pflegen. Diese Geschichte hat also gewissermaßen ein Happy End mit Hausaufgaben!

Warum spielt das Thema „Freundschaft“ in der neuen Tabaluga-Geschichte eine so große Rolle?

Irgendwann im Verlauf der Tabaluga-Geschichten taucht Arktos als der Böse auf. Und es läuft darauf hinaus, dass sich Tabaluga, der Gute, und Arktos pausenlos messen. Und der tief liegende menschliche Wunsch, dass das Gute gewinnt, befeuerte dabei unsere ganzen Geschichten. Und wenn man momentan in das Weltgeschehen blickt, sieht man so viele Zerwürfnisse und Konflikte, dass man sich wünscht, dass diese scheinbar simple Vision wie Freundschaft sich durchsetzt und Realität wird, wo sie so dringend gebraucht wird! Wir erleben zur Zeit massive Flüchtlingsströme, wir erleben wirtschaftliche Gefälle in einem extremen Maß, wir erleben Ausbeutung, Radikalismus und ökologischen Wahnsinn, der die Perspektive von vielen Generationen belasten wird – all das sind Geschwüre, die die Erde und die Menschheit belasten. Und wir hoffen, dass die Prinzipien der Freundschaft tatsächlich generell um sich greifen und unserer Zukunft eine Chance geben! Deshalb ist in dieser Geschichte ein gewisses Maß an Utopie enthalten und auch ein Appell. Unsere beiden Kontrahenten werden am Schluss Freunde, deshalb ist die neue Geschichte eine Art emotionaler Leuchtturm und ein Beispiel dafür, dass es gelingen kann

Wer ist diesmal dabei und wie war die Zusammenarbeit?

Auf dem neuen Album versammelt sich eine illustre Mischung aus Rap, Pop, Jazz, Heavy Metall und Klassik! Und ihre Vertreter aus mehreren Generationen treffen sich auf dieser Plattform, die Tabaluga heißt, was dieser Geschichte einen enormen Reiz verleiht. Dabei zeigt sich einmal mehr, was bei Tabaluga immer unser Kurs war: es geht eigentlich alles. Uwe Ochsenknecht ist dabei. Otto, der gesagt hat: „Hey, ihr macht Tabaluga? Ohne mich geht das nicht!“. Bully, der einen Humor reinbringt, auf den man nicht mehr verzichten will. Tim Bendzko, Jan Delay, Samy Deluxe sind mit von der Partie, also auch Zeitgenossen, bei denen man die Nähe zu Tabaluga nicht so ohne weiteres vermuten würde. Udo Lindenberg und ich singen „Ich wollte nie erwachsen sein“, Helene Fischer mit ihrer schönen Stimme ist dabei und viele mehr! Insgesamt haben wir gezeigt, dass man über einige Genregrenzen springen kann, wenn es eine Thema und eine Figur gibt, der man dient, und je abwechslungsreicher das ist – wie in unserer Gesellschaft auch – desto besser!

Wie kam es zu der Entscheidung doch noch ein weiteres Tabaluga Album zu machen?

Es gibt einige Umstände, die die Entscheidung, eine neue Geschichte zu entwerfen, beschleunigt haben. Es liegt noch nicht so lange zurück, dass wir die Auswertungsrechte von Tabaluga zurückerworben haben. Und da Tabaluga sehr viel für die Peter Maffay Stiftung erzeugt, liegt es nahe, die Aktivitäten um Tabaluga herum nicht nur auf dem Stand von früher zu halten, sondern zugunsten der Kinder in der Stiftung weiterzuentwickeln. Das war, wenn man so will, ein rationaler ökonomischer Grund. Ein zweiter Grund ist ein künstlerischer. Wir betreiben ja über Tabaluga eine Wertevermittlung und das nun schon in die vierte Generation hinein – das hat an Reiz nie verloren und das inspiriert uns immer wieder neu.

Welchen Stellenwert haben die Botschaften von Tabaluga im heutigen digitalen Zeitalter?

Da kann man genauso gut fragen: Ist es heute im Zeichen der Schnelllebigkeit noch wichtig zu essen oder zu schlafen? Ich glaube, wir als Menschen haben uns ja nicht wirklich verändert. Warum sollten dann grundsätzliche Werte an Bedeutung für uns verlieren? Sie sind vielmehr das, was unser Miteinander regelt. In einer komplexen Gesellschaft muss jeder respektvoll auf den anderen eingehen. Wenn sich unsere Gesellschaft zunehmend digital und technologisch ausdifferenziert, dann bedeutet das nicht, dass die Grundsätze des menschlichen Miteinanders vernachlässigt werden dürfen – im Gegenteil! Wo das geschieht, setzt eine Erosion in unserem Bewusstsein ein, was zur Folge hat, dass wir Konflikte erzeugen, dass wir abstumpfen und die Orientierung verlieren. Und wenn uns die Orientierung verloren geht, können wir einpacken.

Was macht Tabaluga als Figur aus und was hat sie mit dir zu tun?

Tabaluga steht für einen kleinen Menschen, der durchs Leben geht und durch die Geschichten und Quintessenzen hinzulernt und dadurch gewappnet ist für sein weiteres Leben. Im Grunde genommen ist das nichts anderes als eine Fabel, aus der man lernt, wie man sich weiter bewegt. Wir als Autoren haben in Tabaluga alles hineinprojiziert, was uns im Leben wichtig erscheint. Die Funktion von Tabaluga ist, die Eigenschaften wie Neugierde, Optimismus, Vitalität, Herzensgüte und Respekt zu transportieren. Tabaluga ist der kleine positive Hero, der uns den Weg weist und der auch ein Ausrufezeichen darstellt.