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Politparade mit Rekord: Der 36. Münchner Christopher Street Day lockt über 100.000 Menschen in die Innenstadt

München, 14.07.2015. 95.000 Zuschauer*innen verfolgten am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die bislang größte Politparade mit 76 Gruppen und etwa 10.000 Teilnehmer*innen. Zum zweiten Mal führten neben Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl, Oberbürgermeister Dieter Reiter und Bürgermeister Josef Schmidt die Parade an. Fotos durch anklicken vergrößern!

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Bei zahlreichen Veranstaltungen und bestem Wetter konnte die Community ihr diesjähriges Motto „Familie ist, was wir draus machen!“ publikumswirksam umsetzen und den Begriff „Familie“ bunt, fröhlich und selbstbewusst und mit Vielfalt als zukunftsfähige Alternative füllen. Die derzeitige bundesweite Diskussion um die „Ehe für Alle“ zeigt, dass noch einiges an Aufklärungsarbeit nötig ist.

In München soll die Gleichwertigkeit von Familienkonzepten bald auch städtisch unterstützt werden: Eine sogenannte Regenbogenfamilienfachstelle, von OB Reiter auf dem CSD 2014 versprochen, soll entstehen. Die Vereine LeTra und LesMamas haben bereits ein Konzept vorgelegt, auch eine Beschlussvorlage existiert schon. Nach den Sommerferien soll abgestimmt werden.

Desweiteren hat OB Reiter während seiner Ansprache auf der CSD-Bühne angekündigt, sich für ein Lesbenzentrum als Pendant zum schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub e.V. einzusetzen. Und obwohl die CSU auf Bundesebene in Sachen Gleichstellungspolitik am meisten bremst, hat sich Bürgermeister Josef Schmid offen und eindeutig für Eheöffnung und Adoptionsrecht ausgesprochen.

Im Anschluss an die vielbeachtete Politparade startete am Marienplatz ein spannendes Programm: Auf der großen Bühne traten am Samstag und Sonntag Größen wie Daniel Schuhmacher, Fady Maalouf und Ryan Dolan auf.

In einem bewegenden Finale performten Daniel Schuhmacher, Ela Querfeld, Keye Katcher und Holger Edmaier eine Live-Version des neuen Benefiz-Songs „77 (LOVE IS LOVE)“ des Projekts „100% Mensch“. Auf der Showbühne kamen unter dem Motto „Familie macht Politik. Politik macht Familie“ aber auch verschiedenste Szene-Organisationen und -Gruppierungen zu Wort.

Das CSD-RathausClubbing verzauberte zum 13. Mal regenbogenfarben und friedlich bis in die frühen Morgenstunden das ahrwürdige Münchner Rathaus. Ein starkes Symbol der Öffnung der bayerischen Landeshauptstadt! Die LSBTI-Community (lesbisch, schwul, bi, trans*, inter*) würdigt es Jahr für Jahr begeistert, das weltweit einzigartige queere Party-Event ist stets im Vorfeld ausverkauft.

Während der 9-tägigen CSD-PrideWeek (4.-12. Juli) konnten sich Interessierte in etwa 40 gut besuchten Veranstaltungen in Workshops, Lesungen, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen über die aktuellen Themen der Community informieren oder auf diversen Partys in diversen Szeneclubs in den CSD hinein feiern.

„Münchens Leitbild ist und bleibt die bunte, offene, plurale Stadt, die Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung, als elementaren Bestand der Lebenswirklichkeit sieht.“ betont OB Reiter. „Das gilt auch und gerade für die Vielfalt der Familienformen, auch für die Regenbogenfamilien, für Wahl- und Patchworkfamilien und selbstverständlich auch für die „große Familie“ der Münchner LSBTI-Community. Sie alle haben das Recht auf ein Leben, das frei von Diskriminierung ist. Dafür setzt sich die Stadt mit Nachdruck ein, und der Gesetzgeber sollte sich da bei der Beseitigung der Mängel und Defizite der rechtlichen Gleichstellung durchaus ein Beispiel nehmen.“

Im Rückblick auf den CSD 2015 sind die Organisator*innen zufrieden: Eine gelungene Veranstaltung hat viele auch junge, engagierte Leute zusammen auf die Straße gebracht, die das diesjährige Motto bunt und facettenreich umgesetzt haben. Jahr für Jahr werden auch mehr Frauen und Lesben sichtbar und bereichern die Vielfalt der Regenbogen-Szene um einen wichtigen Aspekt.

Es gibt immer noch viel zu tun: In 77 Staaten werden LSBTIs verfolgt. Wir brauchen dringend eine Willkommenskultur für Flüchtlinge sowie bessere Informationen sowie Aus- und Fortbildungen für Sozialarbeiter*innen zum sensiblen Thema LSBTI.

Der rundum gelungene Münchner CSD hat beeindruckend vor Augen geführt, dass er nach wie vor eine wichtige politisch-gesellschaftliche Aufgabe erfüllt.