Präsidium beabsichtigt endgültige Schließung der Jugendherbergen Lohr, Feuchtwangen und Kelheim

Präsidium beabsichtigt endgültige Schließung der Jugendherbergen Lohr, Feuchtwangen und Kelheim
Symbolbild

Das neunköpfige Präsidium des Landesverbands Bayern hat sich in einem Tendenzbeschluss für die endgültige Schließung der Jugendherbergen in Lohr, Feuchtwangen und Kelheim ausgesprochen. Leider sei es nicht gelungen, die Auslastung und damit die wirtschaftliche Tragfähigkeit der drei Häuser in dem Maße zu erhöhen, um die Häuser bedarfsgerecht und gleichzeitig kostendeckend zu betreiben. Diese kritische wirtschaftliche Entwicklung hatte sich an den drei Standorten bereits in den letzten Jahren abgezeichnet.

In den Jugendherbergen Lohr, Feuchtwangen und Kelheim besteht ein außerordentlich hoher Investitionsbedarf, um die gewachsenen Ansprüche aller Gästegruppen erfüllen zu können. Die notwendigen Mittel für eine grundlegende Modernisierung bzw. energetische Sanierung können weder aus den eigenen Umsätzen der Häuser noch aus dem Budget des Landesverbands oder über staatliche Zuschüsse realisiert werden. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der seit Jahren steigenden Baukosten und den stetig wachsenden brandschutz- bzw. sicherheitstechnischen Anforderungen zu erklären.

Zudem bestehen in den Regionen der drei Jugendherbergen Überkapazitäten bei Beherbergungsbetrieben. Eine verbesserte Umsatz- und Ertragslage ist aufgrund des gemeinwohl-orientierten Charakters der Jugendherbergen nur in sehr begrenztem Umfang über eine Erhöhung der Preise zu erreichen. Jugendherbergen verstehen sich als Begegnungs- und Bildungsorte, die allen Gästen – unabhängig von ihrem sozialen Status – offenstehen.

Erklärtes Ziel des Landesverbands bleibt weiterhin, bayernweit ein Netz von Standorten zu betreiben. Investitionen in bestehende oder neue Jugendherbergen wurden und werden sowohl im ländlichen Raum (zuletzt Furth i. Wald, Schliersee, Saldenburg) als auch im städtischen Umfeld (München, Lindau oder Würzburg) getätigt.

Klaus Umbach, Präsident des DJH Bayern: „Die satzungsgemäße Gemeinwohlorientierung der Jugendherbergen verpflichtet uns zu vorausschauendem Handeln in der qualitativen Entwicklung unseres Netzwerks. Die Angebote sollen allen Kindern, Jugendlichen bzw. Familien und Gruppen an attraktiven Standorten und mit bestmöglicher Aufenthaltsqualität zur Verfügung stehen. Gleichzeitig müssen wir kontinuierlich darauf achten, dass wir unsere Angebote bedarfsgerecht und kostendeckend umsetzen können, da der laufende Betrieb nicht öffentlich gefördert wird. Dieser verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen ergibt sich nicht zuletzt aus der Verpflichtung gegenüber unseren Mitgliedern. Eine dauerhafte Quer-Finanzierung von Standorten, die nur ein begrenztes Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre haben, wäre unverantwortlich und würde dem gesamten Landesverband schaden.“

Präsidium und Vorstand des Landesverbands betonen, dass die seit fast einem Jahr anhaltende Corona-Pandemie nicht der Auslöser und Grund für den Tendenzbeschluss zur Schließung gewesen sei. Corona habe lediglich die Prozesse beschleunigt – auch ohne diese Krise hätte mittelfristig die Entscheidung zur Aufgabe der drei Standorte getroffen werden müssen.

„Nachhaltigkeit im Verständnis des Landesverbands Bayern bedeutet auch, wirtschaftlich tragfähig zu arbeiten und Ressourcen zu bündeln. Trotz vieler Bemühungen ist dies in diesen drei Fällen nicht gelungen. Gleichzeitig schmerzt es uns selbstverständlich, die drei Häuser aufzugeben, die Mitarbeiter*innen freistellen und die Immobilien veräußern zu müssen. Für unsere Gäste bestehen jedoch weiterhin attraktive Alternativen an umliegenden Standorten, um Jugendherbergen und die Idee von ‚Gemeinschaft erleben‘ auch künftig zu erfahren“, so Umbach.

Der Tendenzbeschluss liegt nun dem Betriebsrat zur Stellungnahme vor. Eine endgültige Entscheidung zur Zukunft der Jugendherbergen in Lohr, Feuchtwangen und Kelheim soll während der Präsidiumssitzung am 26. Februar 2021 fallen.