Home » Nachrichten » Speedway-WM Halbfinale am 15.06.2017 in Olching
Foto: Andre Duda

Speedway-WM Halbfinale am 15.06.2017 in Olching

An diesem Donnerstag, den 15. Juni 2017, dem Fronleichnamstag, findet in Olching, ganz in der Nähe der beyerischen Weltmetropole München (Deutschlands heimlicher Hauptstadt!), das traditionelle Motorrad-Speedwayrennen statt.

Seit Jahrzehnten strömen an diesem Feiertag traditionell tausende Zuschauer in die Speedway-Arena des MSC Olching. Da herrscht nicht nur Motorsport-Atmosphäre, sondern auch Volksfeststimmung, die mit dem christlichen Feiertag verbunden wird.

Um 14:00 Uhr schnellt das Startband auf dem 400 m langen Oval erstmals hoch und es beginnt die Hatz von vier Fahrern gegeneinander um Punkte, Plätze, Pokale, ja und um Ruhm! Speedway fasziniert durch seine explosiven Starts, durch die Kurvendrifts und den engmaschig geführten Kampf Mann gegen Mann, Ellbogen an Ellbogen und die Zuschauer können alles hautnah mitverfolgen.

Speedwaymotorräder haben keine Bremsen und kein Getriebe, die geballte Motorenkraft von 70 PS wird direkt auf das Hinterrad übertragen, sind befeuert durch Methanol, geschmiert durch Rizinusöl und luftgekühlt. Der dumpfe, betörende Klang hat Fans auf der ganzen Welt: von Australien und Neuseeland bis nach Kalifornien in den USA, von Argentinien bis nach Russland und der Schwerpunkt hier natürlich in Europa, vor allem in Polen, Schweden, England und Dänemark. Nur als Beispiel: beim Speedway-Einzel-WM Finale 1981 im alten Londoner Wembley Stadion waren etwa 90.000 Zuschauer im Stadion und 1989 fand das WM-Finale vor über 40.000 Zuschauern im Münchener Olympiastadion statt. In Deutschland hat die Popularität dieses Sports in den 60er, 70er und 80er Jahren gelitten und an Boden verloren. Die Zeiten von Egon Müller, Karl Maier, Alois Wiesböck, Gerd Riss und Robert Barth sind leider lange vorbei.

Aber 1995 begann im Speedway ein neues Zeitalter: der WM Grand Prix wurde eingeführt ! Anfangs mit sechs GP-Läufen, sind es heute doppelt so viele ! Auch ein Speedway-WM Grand Prix war stets häufiger im Kalender: 1995 in Abensberg, 1996 in Pocking, 1997 in Landshut, 1998 in Pocking, 2001 in Berlin-Hohenschönhausen, 2007 in Gelsenkirchen Arena auf Schalke (!!!) und seit 2016 wieder in der Bergring-Arena in Teterow.

Es dauerte auch fast 20 Jahre, bis sich mit dem Olchinger Martin Smolinski ( geboren 1984 in München !), im Jahre 2014 erstmals ein deutscher Speedway-Akteur als permanenter Fixstarter für diese hochklassige Grand Prix Serie qualifizieren konnte. Und eben jener Martin Smolinski sorgte am 5. April 2014 für eine Sternstunde des deutschen Speedway-Sports, als er nämlich an diesem Tag in Auckland/Neuseeland den Auftakt-GP der Saison gewinnen konnte. Dieser Sieg gilt als der größte Erfolg eines deutschen Speedwayfahrers nach dem WM-Titelgewinn 1983 durch den Kieler Egon Müller ! Leider reichten am Ende jener Saison die GP-Punkte nicht aus und Smolinski konnte sich nicht für die Saison 2015 im Speedway-GP halten. Seitdem verfolgt der Olchinger dieses Ziel, wieder in die Königsklasse des Bahnsports aufzusteigen, der Champions League der Speedway-Asse ! Und genau dies wird Smolinski am Donnerstag versuchen. In Olching gut abschneiden und sich für den Speedway-WM Grand Prix Qualifier, den sogenannten Grand Prix Challenge, zu qualifizieren, der am Samstag 19. AUGUST in Togliatti/Russland ausgefahren wird. Aus diesem GP-Challenge qualifizieren sich nur die drei Erstplatzierten für die Speedway-WM Grand Prix Serie 2018 ! Also: dies wird ein sehr schweres und hartes Rennen ! Aber Smolinski ist fokussiert und guter Dinge, kennt die Olchinger Bahn wie seine Westentasche und konnte sich diese Saison auch für die Speedway-EM Endrunde qualifizieren.

Dasselbe Ziel wie Smolinski verfolgt auch der 24jährige Kai Huckenbeck aus Werlte im Emsland/Niedersachsen. Der mehrfache Deutsche Meister startet seit Jahren in den europäischen Speedway-Topligen in England und Polen und strebt sich nun an, es Smolinski gleichzutun und es ebenfalls in den GP zu schaffen. Nicht wenige Experten trauen dies dem schnellen Emsländer zu. Nach 20 Rennläufen werden die deutschen wissen, ob das Daumen drücken für die beiden deutschen Akteure etwas genutzt hat, was beiden natürlich zu gönnen und wünschen ist.

Ein dritter Deutscher, nämlich der Mecklenburger Kevin Wölbert, startet zwei Tage später, am Samstag, im italienischen Terenzano im zweiten WM-Halbfinale, um ebenfalls auf dem WM-Express weiterfahren zu können. Alle drei Akteure haben internationale Erfahrung, sei es durch offene Rennen, Länderkämpfe, Bundesligarennen, sowie Einsätze in der Speedway-EM und WM, sei es im Einzel- oder Teamwettbewerb. Dazu haben alle drei Auftritte in den vier Speedway-Weltligen zu verzeichnen, nämlich in Polen, Schweden, England und Dänemark.

Aber der Speedway-WM Grand Prix ist für jeden Speedway-Fahrer das ultimative Ziel ! Teilzuhaben an der weltweit durch IMG-Promoter vermarkteten, zwölfteiligen Speedway-GP Rennserie ! Und in legendären wie riesigen Arenen zu starten: wie in dem polnischen Nationalstadion in Warschau (vor über 50.000 Fans), im Principality Stadium in Cardiff/Wales (ehemals Millenium Stadium !) vor 40.000 Fans, in der mächtigen Nationalarena Schwedens in Solna bei Stockholm, der Friends Arena, vor über 20.000 Fans und das Saisonfinale in Australien erleben und zwar im Etihad Stadium im Melbourne, wo 2016 auch 26.000 Zuschauer live vor Ort waren, sind ein weiterer Ansporn.

Auch beim Heimspiel im mecklenburgischen Teterow waren im September 2016 etwa 15.000 Zuschauer dabei und man will die Arena vergrößern.

Dies ist also Ansporn genug für Smolinski, Huckenbeck und Co. sich für die Champions League der Speedway Drifter zu empfehlen ! Ein erstes bzw. wichtiges Zeichen könnten die beiden jetzt Fronleichnam in Olching vor den Toren Münchens setzen. (Andre Duda)