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v.l.n.r.: Dr. Rupert Ebner, Karl Ludwig Schweisfurth, Josef Schmid, Julian Nida-Rümelin, Stephanie Weigel und Harry G - Foto: Bernd Wackerbauer

Tollwood München: Startschuss für das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“

FÜR EINE ARTGERECHTE LANDESHAUPTSTADT. Auf der Pressekonferenz am 19.05.2015 im Presseclub München gaben das Tollwood Kulturfestival und seine über 140 Bündnispartner den Start für den Zusammenschluss zum Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ bekannt.

Ziel des Bündnisses ist, dass sich die Landeshauptstadt München per Stadtratsbeschluss dazu verpflichtet, in ihrem Wirkungskreis zukünftig nur noch Produkte einzusetzen bzw. zuzulassen, die nachweislich aus artgerechter Tierhaltung stammen: Dies beträfe alle städtischen Kantinen, alle städtischen Einrichtungen – Krankenhäuser, Kultureinrichtungen etc. –, alle städtischen Empfänge sowie öffentliche Veranstaltungen, bei denen die Stadt München Hausherrin ist, z.B. das Stadtgründungsfest, die Auer Dulten, den Christkindlmarkt und das Oktoberfest.

Stephanie Weigel, Leiterin der Tollwood-Umweltabteilung: „Die Unterstützung des Aktionsbündnisses durch namhafte Vertreter der Stadtgesellschaft, aber auch der Münchner Bürgerinnen und Bürger ist schon jetzt überwältigend und wir stehen erst am Anfang. Die Zeit ist reif, der Münchner Stadtrat muss seiner Verantwortung gerecht werden und ein Zeichen setzen: Für ein artgerechtes München. Für uns. Für Bayern.“

Auf der Pressekonferenz erläuterten hochrangige Experten der Branche und gleichzeitig Bündnispartner seine Notwendigkeit:

Karl Ludwig Schweisfurth, Metzgermeister und Unternehmer, sprach über die „Symbiotische Landwirtschaft“, die den Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen und den achtsamen Umgang mit den Tieren zum Ziel hat und seine persönlichen Erfahrungen: „Das Leben findet nur in Symbiosen statt. Es ändert sich nur zusammen.“

Dr. Rupert Ebner, Tierarzt, Mitglied des Vorstandes von Slow Food Deutschland, Mitorganisator der Demo „Wir haben es satt“ und seit 1.9.2014 Umweltreferent der Stadt Ingolstadt, erläuterte die Haltungsbedingungen in der industriellen Intensivtierhaltung, den dortigen Antibiotika-Einsatz sowie die gesundheitliche Gefahr durch multiresistente Keime:

„Das Thema Landwirtschaft gehört in die Stadt, weil die Stadt vom Land lebt. Essen und Ernährung sind zentrale politische Themen“.

Josef Schmid, Landwirt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft  bäuerliche Landwirtschaft e.V. – Landesverband Bayern (AbL), erläutert die Situation der Landwirte in Bayern und begründet, warum kein Weg an einer sozial- und umweltverträglichen Landwirtschaft in Bayern vorbeiführt. „Landwirtschaft ist mehr als ein wirtschaftliches Unternehmen!“

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D. und Professor für Philosophie und politische Theorie an der Universität München, sprach abschließend über die ethische Dimension des Themas. „Bei allen Unterschieden der moralischen Beurteilung sollte der Mindestkonsens die artgerechte Tierhaltung sein!“

Warum braucht München ein Aktionsbündnis?
Industrielle Intensivtierhaltung ist gesundheitsgefährdend, tierquälerisch, unsozial, umweltbelastend, unnötig – und unerwünscht. Bäuerliche Betriebe verlieren zunehmend den Kampf gegen Agrarfabriken. Auch in Bayern.

Gesundheitsgefährdend: Industrielle Tiermastanlagen sind eine Brutstätte für gesundheitsgefährdende, multiresistente Keime, gegen die oft keine Antibiotika mehr helfen. Tendenz steigend.

Tierquälerisch: Der Großteil der  Nutztiere fristet  ein erbärmliches, kurzes und leidvolles Leben in industrieller Intensivtierhaltung.

Umweltbelastend: Ein Drittel des Grundwassers in Bayern ist in schlechtem Zustand. Der Hauptgrund dafür ist die hohe Belastung mit Nitrat aus der landwirtschaftlichen Gülle – ein Stoff, der im Körper in krebserregendes Nitrit umgewandelt werden kann.

Unsozial: Deutschland hat sich längst zum „Billig-Schlachthaus Europas“ gewandelt. Stundenlöhne von de facto 5 Euro sind keine Seltenheit.

Heile Welt Bayern? Von wegen. Auch in Bayern sind die Weichen gestellt: Bei der Anzahl der beantragten und genehmigten Tierhaltungsplätze für  Masthähnchen  und Schweine  liegt Bayern weit vorne in Deutschland.

Ist die Umstellung auf artgerechte Tierhaltung finanzierbar?
Eine Umstellung auf artgerechte Tierhaltung ist finanzierbar: Ein von Tollwood im Februar 2015 in Auftrag gegebenes, unabhängiges Gutachten von a’verdis kommt zu dem Schluss, dass die Mehrkosten für den Einsatz von Produkten aus artgerechter Haltung im Kinderbetreuungs- und Kantinenbereich unter 10 Prozent liegen würden, bei Empfängen und Großveranstaltungen zwischen 10 und 20 Prozent.

Was wollen die Münchnerinnen und Münchner?
Eine von Tollwood im Herbst 2014 in Auftrag gegebene TNS Emnid-Umfrage ergab: 75 Prozent der Einwohner Münchens würden eine derartige Selbstverpflichtung der bayerischen Landeshauptstadt begrüßen – noch mehr, nämlich 85 Prozent sind bereit, den dafür erforderlichen Mehrpreis zu bezahlen.

Mitmachen beim Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ kann jeder.

Eine Unterstützung ist ab sofort möglich unter www.artgerechtes-muenchen.de
Außerdem finden Sie das Aktionsbündnis hier: https://www.facebook.com/artgerechtes.muenchen https://twitter.com/ArtgerechtesMUC