
Am Mittwoch, 05.08.2026, 10:45 Uhr, stellte Polizeipräsident Thomas Hampel das Lagebild „Gewalt gegen Polizeibeamte im Jahr 2025“ im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München vor.
Im vergangenen Jahr wurden mit insgesamt 1.352 Fällen 14 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte mehr als im Vorjahr erfasst, was einer Zunahme von +1,0% entspricht. Im langfristigen Vergleich bewegt sich die Entwicklung jedoch auf einem nahezu konstanten Niveau (-1,7% zu 2016).
Die insgesamt 1.352 Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und -beamte umfassten folgende Gewalttaten:
- 284 Beleidigungen (2024: 332 Fälle)
-14,5% - 362 Widerstände gegen Polizeivollzugsbeamte (2024: 347 Fälle)
+4,3% - 532 Tätliche Angriffe (2024: 483 Fälle)
+10,1% - 118 Körperverletzungen (2024: 115 Fälle)
+2,6% - 2 Raubdelikte (2024: 3 Fälle)
-33,3%
Trotz des nur geringen Anstiegs der Straftaten, mussten wir eine überproportional hohe Steigerung im Bereich gewaltsamer Übergriffe verzeichnen. Der vergleichsweise stabile Verlauf der Gesamtzahlen ist insbesondere auf den deutlichen Rückgang der Beleidigungsdelikte zurückzuführen.
Von den 1.352 Straftaten waren 1.014 (948) körperliche Angriffe wie z.B. gefährliche Körperverletzungen, Raub oder tätliche Angriffe und Widerstandhandlungen. 75,0% aller registrierten Straftaten richteten sich somit direkt gegen die körperliche Unversehrtheit der Polizeikräfte.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der verletzten Polizeibeamtinnen und -beamten. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 711 Polizeibeamtinnen und -beamten verletzt (2024: 609). Seit 2016 ist diese Zahl damit um rund 60 Prozent gestiegen. Während vor zehn Jahren statistisch etwas mehr als eine Einsatzkraft täglich verletzt wurde, sind es inzwischen nahezu zwei pro Tag.
In 27 (23) Fällen führten Tatverdächtige Hieb- und Stichwaffen mit oder setzten diese gegen Polizeikräfte ein.
Ein Großteil der Gewaltdelikte gegen unsere Kolleginnen und Kollegen ereignete sich im Zusammenhang mit Maßnahmen, die als besonders eingriffsintensiv empfunden werden, wie z. B. Freiheitsentziehungen. Aber auch Routinemaßnahmen bergen immer ein Eskalationsrisiko.
Die Anzahl der Tatverdächtigen beläuft sich auf insgesamt 1.190 (2024: 1.174). von den Tatverdächtigen sind
- über 82% männlich
- 51,9% alkoholisiert (allgemeine Gewaltkriminalität: ~ 27%)
- 87,9% bereits polizeibekannt
Mit 1.020 Personen von 1.190 Tatverdächtigen handelte es sich bei den Beschuldigten überwiegend um Erwachsene. 96 der Tatverdächtigen waren Heranwachsende unter 21 Jahren, 70 Personen waren Jugendliche und 4 waren strafunmündige Kinder.
Die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizeikräften stellt hohe Anforderungen an die Vorbereitung unserer Einsatzkräfte auf die Einsatzpraxis. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, setzt das Polizeipräsidium München ein umfassendes Kompetenz-Konzept um. Dieses umfasst sowohl präventive als auch operative Maßnahmen, darunter eine fundierte Aus- und Fortbildung, gezieltes Kommunikationstraining zur Deeskalation und Angebote zu Steigerung der psychischen Resilienz, moderne Schutzausrüstung und Bewaffnung sowie technische Hilfsmittel wie die Bodycam.
Einen unmittelbaren Einblick in diese praxisnahe Vorbereitung erhielten die anwesenden Medienvertreter bereits im Vorfeld der Pressekonferenz im Rahmen des Polizeilichen Einsatztrainings des Polizeipräsidiums München, bei dem sie typische Einsatzsituationen selbst erleben konnten.
Mit dem Polizeilichen Einsatztraining (PE) bereitet das Polizeipräsidium München seine Polizistinnen und Polizisten seit Jahren realitätsnah auf unterschiedlichste Einsatz- und Gefahrenlagen vor. Ziel ist es, ihnen die notwendige Handlungssicherheit zu vermitteln, um auch unter hohem Zeitdruck und Gefahrenpotential Entscheidungen treffen zu können, die mitunter weitreichende Folgen haben können.
Da es kein „Schema F“ für die Einsatzabarbeitung gibt, versuchen die Trainerinnen und Trainer für Polizeiliches Einsatzverhalten ihren Kolleginnen und Kollegen Handlungsoptionen aufzuzeigen. Im PE können die Beamtinnen und Beamten verschiedene Taktiken und Handlungsabläufe realitätsnah erproben und reflektieren. So entsteht die Möglichkeit, Handlungssicherheit aufzubauen, ohne die eigene Gesundheit oder die Gesundheit anderer zu gefährden.
Überdies gilt es im Nachgang nach herausfordernden Einsätzen, auch mit verletzten Polizeibeamten, die körperliche Gesundheit wiederherzustellen und auch möglichen psychischen Folgen solcher Angriffe vorzubeugen und zu begegnen. Bereits unmittelbar nach belastenden Einsätzen greift ein umfangreiches Fürsorge- und Unterstützungskonzept. In der unmittelbaren Erstphase erfolgt die Unterstützung in der Regel durch die direkten Vorgesetzten und umfasst bspw. Informationen zum weiteren Verfahrensgang, Abklärungen der nächsten persönlichen und dienstlichen Bedarfe oder auch ein Gespräch zum gemeinsamen Einsatzabschluss. In entsprechenden Fällen organisiert das Präsidium zudem darauf aufbauend Nachsorgemaßnahmen wie etwa strukturierte Gruppengespräche durch psychosoziale Fachkräfte im Team mit speziell beschulten Beamten, sogenannte „Peers“. Letztere sollen darüber hinaus insbesondere niederschwellig als qualifizierte und kollegiale Ansprechpartner in den ersten Stunden und Tagen nach herausfordernden Einsätzen dienen und sind ein weiterer Baustein, mit dem das Polizeipräsidium München seinen Einsatzkräften zur Seite steht. In diesem Zusammenhang bedankte sich Polizeipräsident Hampel bei den Akteuren der Psychosozialen Notfallversorgung von Einsatzkräften (PSNV-E) des Präsidiums das Einsatzkräfte nach belastenden Erlebnissen professionell begleitet. Hierzu sagte Polizeipräsident Hampel: „Wer täglich mit Gewalt und Eskalation konfrontiert ist, braucht nicht nur körperlichen Schutz, sondern auch mentale Stärke. Und die volle Rückendeckung der Organisation.“
Zum Abschluss der Pressekonferenz zog Polizeipräsident Thomas Hampel folgendes Fazit: „Die Münchner Polizei genießt bei der großen Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger ein hohes Maß an Vertrauen – und das zurecht. Dass München nun zum 50. Mal in Folge sicherste Millionenstadt Deutschlands ist und sich zum wiederholten Male auf Platz 1 der sichersten Städte über 200.000 Einwohnern behauptet hat, ist zu einem großen Teil der Verdienst unserer professionell agierenden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Hemmschwelle sinkt, Polizeikräfte zu beleidigen, zu bedrohen oder gar anzugreifen und dabei zu verletzen. Hinter jeder Zahl steckt ein Mensch, eine Polizeibeamtin oder ein Polizeibeamter, der für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einsteht. Wer sie angreift, greift nicht nur Menschen in Uniform an. Er greift auch die Werte an, auf denen unser Zusammenleben fußt.“










