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Sonntag, 28 Juni 2026
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Trotz Hitze: 350.000 Menschen setzen beim Münchner CSD ein Zeichen für Vielfalt

Trotz Hitze: 350.000 Menschen setzen beim Münchner CSD ein Zeichen für Vielfalt

Münchens LGBTIQ*-Community feiert die Vielfalt!

Trotz enormer Hitze sind am Samstag Tausende Menschen unter dem Motto „Unsere Vielfalt. Unsere Stärke“ auf die Straße gegangen. Auch die neue PrideMeile in der Ludwigstraße wurde gut angenommen.

„München kann so schön sein“, postete ein Teilnehmer der PolitParade am Samstag auf Instagram. Überall feiernde Menschen, wehende Fahnen, viel Liebe in der Luft – reine queere Freude! 30.000 Menschen waren am Samstag bei der PolitParade; um die 200.000 Menschen haben vom (schattigen) Straßenrand aus zugeschaut, bevor sich das Fest in die Ludwigstraße verlagerte. Auf der neuen PrideMeile versammelten sich bis inklusive Samstag über die Tage verteilt um die 120.000 Menschen.

Tragfähiges Hitzekonzept

„Es ist ein magischer Pride“, sagt CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. „Wir waren tief bewegt davon, wie gut alle aufeinander Acht gegeben haben.“ Angesichts der enormen Hitze hatten die Veranstalter*innen kurzfristig ein solides Hitzekonzept erarbeitet: Auf der PrideMeile waren Sprühanlagen installiert, es gab Trinkwasserstellen, die Biergärten waren mit Sonnenschirmen ausgestattet. Die Gastronomie war angehalten, genügend Wasservorrat bereitzuhalten. Von den Bühnen, im LiveStream und auf Social Media gab es regelmäßig Durchsagen an die Besucher*innen, genügend Wasser zu trinken, sich mit Sonnencreme einzuschmieren, auch mal Pause im Schatten zu machen.

Die Münchner*innen haben aber schon selbst auf sich geachtet: Vom Straßenrand sprühten Passant*innen Waser auf die Demonstrierenden; auch das Straßenfest war von gegenseitiger Rücksichtnahme und Respekt geprägt. Die Menschen waren gut vorbereitet, tranken genug Wasser, kühlten sich ab. Der Sanitätsdienst der Johanniter berichtet von einem leicht erhöhten Aufkommen von Einsatzfällen während der Parade. Was das Straßenfest angeht, spricht Tim Stog, Pressesprecher der Johanniter, aber von einem „völlig normalen Verlauf“ bei einer solchen Veranstaltung. Das Hitzekonzept des CSD sei aufgegangen.

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Zusammenstehen gegen Hass und Hetze

So konnte der Münchner CSD auch seine ganz politische Schlagkraft entfalten. An der Spitze der PolitParade lief Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause mit. Er betonte, welche große Ehre es für ihn sein, das erste Mal auch die Schirmherrschaft für den CSD übernehmen zu dürfen. Auf der Hauptbühne am Odeonsplatz dankte er dafür vor allem den Vorkämpfer*innen der Pride-Bewegung, die es erst möglich gemacht hätten, dass er heute als Oberbürgermeister offen schwul auftreten könne. „Ihnen ist es zu verdanken, dass unsere Gesellschaft heute eine offenere ist.“

Aber Hass und Hetze gegenüber queeren Menschen nähmen wieder zu, häufig unter dem Vorwand, eine angebliche Normalität zu verteidigen. Die im Sub angesiedelte bayernweite LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt, Strong!, meldet in ihrem Jahresbericht 2025 einen Anstieg um 43 Prozent der Fall- und Beratungszahlen.

Deutschlandweit belaufen sich die vorläufigen Zahlen queerfeindlicher Hasskriminalität für 2025 laut LSVD auf 2.048 Fälle. Seit 2010 haben sich die Straftaten im Bereich „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ laut BMI und BKA damit nahezu verzehnfacht.

Dabei, so Krause weiter, gebe es doch nichts Normaleres als die Tatsache, dass Menschen eben unterschiedlich sind und sie lieben wollen. „Deswegen geht der CSD auch über die Community hinaus. Weil es um die Frage geht, in welcher Gesellschaft wir leben wollen: In einer Gesellschaft, in der Menschen Angst haben müssen?! Oder in einer Gesellschaft, in der Freiheit stärker ist als Vorurteile?!“

CSD PolitParade München 2026

Eine Verbeugung vor den Vorkämpfer*innen

In dem Zusammenhang ehrte er auf der Hauptbühne Thomas Niederbühl, der sich für die Community und die Stadt München mit seiner über 30-jährigen Arbeit als Stadtrat der Rosa Liste große Verdienste erworben hat. Niederbühl rief zu Zusammenhalt untereinander auf: „Wir mussten uns alles selber erkämpfen. Und wir waren erfolgreich damit. Deshalb dürfen wir uns auch in Zukunft nicht spalten lassen, sondern solidarisch untereinander bleiben.“

Sein Nachfolger im Amt, Bernd Müller, politischer Sprecher des CSD, wies in dem Zusammenhang auf die sechs politischen Forderungen hin, die der CSD in diesem Jahr stellt. Insbesondere zwei davon hob Müller hervor: Es brauche jetzt – angesichts des Rechtsrucks – den staatlichen Schutz vor Diskriminierung auch im Grundgesetz. Artikel 3 müsse dringend um die Merkmale „Gender-Identität“ und „Sexuelle Orientierung“ erweitert werden. Es sei ansonsten ein leichtes, mit einfacher Mehrheit die Gesetze aufzuheben, die bislang die Rechte queerer Menschen regeln, wie etwa die „Ehe für alle“ oder das Selbstbestimmungsgesetz.

Für Bayern fordert Müller einen Queeren Aktionsplan, der diesen Namen auch verdient. „Dass Bayern seit dem 16. Juni einen Aktionsplan hat, ist fein. Aber so kann er nicht bleiben.“ Was da jetzt verabschiedet wurde, bilde vor allem den Status Quo ab, habe keine Schlagkraft in die Breite, auch weil die Community dabei zu wenig eingebunden sei. Das zeige: Die bayerische Staatsregierung tue sich nach wie vor schwer mit queeren Menschen. „Aber“, so seine Botschaft an den bayerischen Ministerpräsidenten, „wir kämpfen weiter, Herr Söder. Queer zu sein ist ein Menschenrecht.“

Erfolg der neuen PrideMeile

Der Münchner CSD ist in diesem Jahr mit seinem Straßenfest umgezogen. Für die Altstadt war die mehrtägige Veranstaltung in den vergangenen Jahren zu groß geworden. Die damit verbundenen Sicherheitsauflagen machten das Straßenfest auf dem Marienplatz zunehmend unattraktiv und ließen gleichzeitig die Kosten Jahr für Jahr steigen.

Also entschloss sich der CSD, 2026 einen Schnitt zu machen. Während bei PrideWeeks, PolitParade, auch beim RathausClubbing alles beim Alten blieb, fand das Straßenfest in der Ludwigstraße statt – und das sogar über drei Tage! „Das Konzept ging auf“, sagt CSD-Geschäftsführer Kluge. Eine Überfüllung drohte trotz der hohen Besucher*innen-Zahlen zu keiner Zeit. Freitag waren es um die 20.000, Samstag über den Tag verteilt um die 100.000 Leute. „Die Ludwigstraße wurde zur queeren Flaniermeile“, sagt CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. „Und wir konnten mehr Inhalte und mehr Programm bieten.“

MainStage mit Conchita, OXA und Patrick Lindner

Vor der MainStage feierte die Crowd Künstler*innen wie Conchita, Mavi Phenix und OXA sowie Patrick Lindner. Auf der QueerStage an der Rheinbergerstraße erwartete die Fans ein abwechslungsreiches Programm mit junger queerer Club- und Subkultur, Drag-Auftritten und einem Queer Poetry Slam. Ihr gegenüber, an der Ecke zum Oskar-von-Miller-Ring, traf die QueerStage auf eine KaraokeBühne. Sie war extrem populär. Auch die PolitikBühne auf Höhe Theresienstraße, auf der vor allem politische Talks aus der Community stattfinden und lokale Künstler*innen auftreten, fand ihr Publikum.

Auch Alter ist Teil der Community

Vor der Staatsbibliothek hatte der Münchner Löwen-Club MLC seine FetishArea aufgebaut. Hier gab‘s Infostände, Diskussionen, Live Acts, vor allem aber Aufklärung über verschiedene Arten von Fetisch. Denn auch Kink ist Vielfalt und gelebte Freiheit!

Neu waren die Generationen- und SportAreas weiter nördlich. Highlight war einmal das Senior*innen-Café von Münchenstift an der Schellingstraße. Dort wurde bei Kaffee und Kuchen über Konzepte zum Thema „Queer und Alter“ informiert. Von der Schellingstraße bis zum Sophie-Scholl-Platz stellten sich zum Zweiten Münchens LGBTIQ*-Sportvereine vor, an Infoständen, aber auch interaktiv mit Sporterlebnisgeräten, die trotz der Hitze großen Anklang fanden. Und am Ende: die PartyArea! Sie bekam einen prominenten neuen Platz vor dem Siegestor mit einer spektakulären Bühne.

Die Infostände der queeren Community und ihrer Allies – 93 waren es in diesem Jahr – fanden sie sich entlang der gesamten PrideMeile. Durchmischt von einer Vielzahl von Gastro-Ständen und Biergärten. Voll bespielt wurde die PrideMeile nur Freitag und Samstag; Sonntag belegte der CSD die Ludwigstraße lediglich bis zum Altstadtring.

Seit mehr als 40 Jahren demonstrieren LGBTIQ* in München auf dem CSD für gleiche Rechte und Akzeptanz. Bei der größten Veranstaltung der Community im süddeutschen Raum, die getragen wird vom Lesbisch-Queeren Verein LesCommunity, dem Schwul-Queeren Zentrum Sub, der Münchner Aids-Hilfe, der Wähler*innen-Initiative Rosa Liste und der queeren Jugendorganisation diversity München, finden innerhalb zweier PrideWeeks mehr als 100 Veranstaltungen (2026) statt. Höhepunkte sind die PolitParade mit zuletzt 230.000 Teilnehmer- und Zuschauer*innen (2026), das erstmals dreitägige Straßenfest in der Ludwigstraße (2026) und das Pride-Event RathausClubbing.