
Darmkrebs trifft immer mehr jüngere Menschen – und diese stehen vor anderen Herausforderungen als ältere Patient*innen. Genau deshalb hat die München Klinik (MüK) am Standort Neuperlach ein Spezialprogramm ins Leben gerufen, in das die gesammelte Expertise von Diagnostik bis Nachsorge einfließt.
Immer mehr Menschen unter 50 Jahren erkranken an Darmkrebs
Darmkrebs galt lange als „Erkrankung der Älteren“ – doch das hat sich verändert. Bereits jede*r siebte Darmkrebspatient*in ist jünger als 50 Jahre, und die Zahlen steigen seit Jahren. Dieser früh auftretende Darmkrebs hat einen eigenen Namen: Early-Onset Colorectal Cancer, kurz EOCRC – zu Deutsch: Darmkrebs mit frühem Beginn. Die Herausforderung: Weil kaum jemand bei einem 35-Jährigen zuerst an Darmkrebs denkt, wird die Erkrankung bei jungen Menschen oft erst spät erkannt. Außerdem hat der Tumor bei jungen Patient*innen öfter erbliche Ursachen und braucht deshalb eine andere Behandlung. Und dann sind da noch die ganz persönlichen Fragen: Ist ein Kinderwunsch nach einer Behandlung noch möglich? Wie geht es beruflich nach der OP weiter? Ist ein Stoma notwendig? Wie erklärt man den Kindern, dass Mama oder Papa erkrankt ist? Genau hier setzt das neue EOCRC-Spezialprogramm an.
Prof. Dr. Mia Kim, Chefärztin Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie in der München Klinik Neuperlach und Harlaching: „Junge Menschen mit Darmkrebs brauchen mehr als eine gute Operation oder eine wirksame Chemotherapie. Sie brauchen ein Konzept, das ihre ganze Lebenssituation im Blick hat.“
Prof. Dr. Stefan Böck, Chefarzt Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin in der München Klinik Neuperlach und Harlaching: „Mit der molekularen Tumordiagnostik können wir heute gezielter behandeln als je zuvor. Jeder Tumor ist anders – und genau so behandeln wir ihn auch.“
Von der Diagnose bis zur Nachsorge
Unter der Leitung von Prof. Dr. Mia Kim und Prof. Dr. Stefan Böck haben die MüK-Standorte im Münchner Süden ein Programm entwickelt, das junge Darmkrebspatient*innen von der ersten Diagnose bis zur Nachsorge begleitet.
Der Therapieansatz zeigt, wie Patient*innen von interprofessioneller und interdisziplinärer Zusammenarbeit profitieren, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt: Die Behandlung in der MüK funktioniert im Zusammenspiel von Chirurgie, Gastroenterologie, internistischer Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Pathologie, Gynäkologie/Urologie, Psychoonkologie, Humangenetik sowie Ernährungsmedizin, Sozialberatung und Selbsthilfeorganisationen.
Präzisionsdiagnostik: Jeder Tumor wird genetisch und molekular genau untersucht – um die Behandlung zu finden, die wirklich zu diesem Patienten passt. Das ist wie ein genetischer Fingerabdruck des Tumors.
Schonende Chirurgie: Das chirurgische Team ist auf minimalinvasive und organerhaltende Verfahren spezialisiert und legt bei allen Patient*innen besonderen Wert z.B. auf den Erhalt der Darm- und Schließmuskelfunktion.
Erbliche Ursachen klären: Bei bis zu einem Viertel der jungen Betroffenen steckt eine erbliche Veranlagung dahinter – z. B. das sogenannte Lynch-Syndrom. Das ist wichtig, nicht nur für die Patient*innen selbst, sondern auch für Geschwister oder Kinder, die vielleicht ebenfalls mit einem erhöhten Risiko rechnen müssen.
Fruchtbarkeit schützen: Chemotherapie und Bestrahlung können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Wer noch Kinder bekommen möchte, kann vor der Therapie mit der Frauenklinik in Harlaching Eizellen oder Eierstockgewebe einfrieren lassen – oder als Mann in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern Spermien konservieren.
Psychosoziale Unterstützung: Krebs mit 35 ist nicht nur körperlich eine Herausforderung. Deshalb begleitet ein spezialisiertes Team auch Angehörige, insbesondere Kinder von an Krebs erkrankten Eltern. Seit Anfang 2026 gibt es am Standort Neuperlach in Kooperation mit lebensmut e.V. eine ambulante Krebsberatungsstelle – kostenlos, unbürokratisch, direkt in der Klinik erreichbar.
Nachsorge: Mit der stationären Therapie endet das Programm nicht – es beinhaltet auch ein strukturiertes Nachsorgeprogramm mit regelmäßigen Untersuchungen, welche die Langzeitfolgen der Therapie in den Blick nehmen – wie z.B. die Entwicklung der Darmfunktion oder das Zweittumorrisiko. Viele Betroffene wollen auch selbst etwas für ihre Gesundung tun – und erhalten in einem „Survivorship-Programm“ Beratung zu gesunder Lebensführung, Ernährung, Bewegung und psychischer Gesundheit.
Mehr Infos und Kontakt unter: https://www.muenchen-klinik.de/EOCRC
Gut zu wissen: Symptome wie Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten oder unerklärlichen Gewichtsverlust sollten immer von einer Fachärztin bzw. einem Facharzt abgeklärt werden – unabhängig vom Alter des Betroffenen.










