
Große Freude im Münchner Tierpark: Erstmals seit rund zehn Jahren ist wieder ein Przewalski-Urwildpferd geboren worden. Der Nachwuchs ist der erste Zuchterfolg des im Sommer 2025 aus dem Zoo Edinburgh nach München gekommenen Hengstes und ein wichtiger Meilenstein für die Przewalski-Zucht in Hellabrunn. Gleichzeitig stärkt die erfolgreiche Nachzucht das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die letzte echte Wildpferdart der Welt.
Stute Belle und ihr Fohlen, ein kleiner Hengst, sind wohlauf und entwickeln sich prächtig. Mit dem ersten Nachwuchs des neuen Zuchthengstes erfüllen sich die Erwartungen, die Hellabrunn mit dessen Ankunft im vergangenen Jahr verbunden hatte.
Lena Bockreiß, in Hellabrunn für Huftiere und damit auch die Przewalski-Pferde zuständige Kuratorin, erklärt: „Vor einem Jahr haben wir gehofft, dass unser neuer Hengst schon bald zum Erhalt dieser außergewöhnlichen Tierart beitragen wird. Dass wir nun das erste Przewalski-Fohlen seit zehn Jahren in Hellabrunn begrüßen dürfen, ist ein wertvoller Erfolg. Diese Geburt zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen im internationalen Artenschutz ist. Jeder Zuchterfolg stärkt die Population und ist ein Gewinn für das gesamte Erhaltungszuchtprogramm.“
Das Przewalski-Urwildpferd ist die letzte noch existierende echte Wildpferdart. Nachdem die Art in den 1960er-Jahren als ausgestorben galt, verdankt sie ihr Überleben ausschließlich international koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen zoologischer Einrichtungen. Heute leben dank dieser gemeinsamen Anstrengungen wieder Populationen in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet.
„Jedes Fohlen ist wertvoll und wichtig für ein Artenschutzprojekt. Durch den Erhalt zuchtfähiger Populationen und eine gezielte Zuchtplanung innerhalb des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms können wir eine genetisch vielfältige und gesunde Population erhalten. Der jetzige Nachwuchs ist deshalb nicht nur für Hellabrunn ein Erfolg, sondern stärkt den Bestand der Art insgesamt“, erklärt Dr. Christine Gohl, leitende Tierärztin in Hellabrunn und tierärztliche Beraterin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Przewalski-Pferde.
Und es soll nicht bei einem Fohlen bleiben: Bereits in den kommenden Tagen wird weiterer Nachwuchs erwartet. Mit etwas Glück können Besucherinnen und Besucher eine Geburt sogar live miterleben – das erste Fohlen kam an einem Samstagnachmittag zur Welt.
Seit Anfang 2025 unterstützt der Hellabrunn die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) bei ihrem Engagement für die Wiederansiedlung der Przewalski-Pferde in Kasachstan. Dort kehren die Wildpferde nach Jahrhunderten erstmals wieder dauerhaft in die zentralasiatische Steppe zurück. Erfolgreiche Nachzuchten in zoologischen Einrichtungen bilden die Grundlage für solche internationalen Wiederansiedlungsprojekte.
Ein besonderer Meilenstein gelang Hellabrunn bereits 2017: Die hier geborene Przewalski-Stute Naya wurde über den Zoo Prag im Rahmen des Projekts „Return of the Wild Horses“ erfolgreich in der Mongolei ausgewildert. In diesem Zusammenhang war Dr. Christine Gohl auch im Juni 2026 bei der Auswilderung von Przewalski-Pferden, unter anderem aus dem Tierpark Berlin und Zoo Prag als tierärztliche Betreuerin vor Ort mit dabei. Perspektivisch könnten auch weitere Nachzuchten aus Hellabrunn einen Beitrag zu internationalen Wiederansiedlungsprojekten leisten. Welche Tiere dafür geeignet sind, entscheidet das Europäische Erhaltungszuchtprogramm anhand genetischer und populationsbiologischer Kriterien.










