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Dienstag, 25 August 2026
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HOCH-GEFÜHLE: München spielt beim Dachterrassen-Boom ganz vorn mit

HOCH-GEFÜHLE: München spielt beim Dachterrassen-Boom ganz vorn mit
MONACO Dachterrasse - Zwischen bunten Recycling-Plastikschindeln, Bäumen und dem Riesenrad im Werksviertel können die Nutzer des MONACO die Dachterrassen nutzen, um Gedanken freien Lauf zu lassen- © MVRDV

Mitarbeitende steigen Unternehmen immer öfter aufs Dach – München spielt beim Dachterrassen-Boom ganz vorn mit.

Die Alpen zum Greifen nah, die Enge der Stadt gefühlte Lichtjahre entfernt, darüber nichts als Himmel und Möglichkeiten: Dachterrassen sind Orte, an denen dem Sein keine Grenzen gesetzt scheinen. Klar, dass zurzeit alle hoch hinauswollen – um zu leben, zu feiern und, ja, sogar zu arbeiten.

Egal, ob man es Dachgarten, Sky Lounge oder Rooftop nennt, Dachterrassen boomen. Bürogebäude wie das HEADS OFFICE in Aschheim oder das MONACO im Münchner Werksviertel nutzen diese Oasen ganz bewusst als Erweiterung von Meeting-, Fitness- und Workspaces. Hotels etablieren Spas und Bars on top. Museen wie die Archäologische Staatssammlung in München vereinen Kultur und Hedonismus auf ihrem Dach. In Gebäuden, die Urban Farming anbieten, werden Dachflächen von den Bewohnern als Anbaufläche für Gemüse zur Selbstversorgung genutzt. Insgesamt gibt es in Deutschland mittlerweile bereits 200 Millionen Quadratmeter Dachbegrünungsfläche, München liegt im Städteranking dabei ganz vorne. Am Limit ist der Trend „Oben mit” noch lange nicht.

Die Idee ist dabei nicht neu: Schon in der Antike legten Römer Fischteiche und horti pensiles, hängende Oasen, auf ihren Villen an. In London erweiterten zwei Theater 1899 ihre Bühnen und verlegten Vorstellungen auf den Paradise Roof Garden. Corbusier machte Anfang des 20. Jahrhunderts den Gedanken der fünften Fassade berühmt, die den verlorenen Gartenraum zurückgewinnen sollte. Noch heute werden Spielplatz und Pool auf dem Dach seiner Marseiller Cité Radieuse von Bewohnern genutzt und Touristen kommen zum Staunen.

Früher hängende Oasen, Jahrzehnte trostlose Abstellorte

Und dann? Für ein paar Jahrzehnte wurden viele Dächer trostlose Orte für Abluftrohre, Blitzschutzanlagen und Wartungsplattformen. Bis Projektentwickler das Potenzial erkannten und aus städtischer Enge eine Tugend machten: Bepflanzt und begrünt beeinflussen die Dächer das Klima positiv und geben der Öffentlichkeit Raum, Licht, Luft und persönliche Entfaltung zurück. Dachterrassen sind Stockwerke ohne Mauern, Orte aus Sehnsüchten erschaffen.

„Höhe und Weitblick haben für den Menschen schon immer eine wichtige Rolle gespielt – evolutionär wie subjektiv. Unsere Vorfahren haben Orte bevorzugt, die zugleich Überblick und Schutz bieten, wo sie Beute und Feinde erkennen konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Heute nutzen wir Dachterrassen für einen Perspektivwechsel und bekommen einen anderen Blick auf städtisches Leben“, erklärt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer der Rock Capital Group, die Vorzüge der fünften Fassade.

Studien: Pausen auf dem Dach steigern Konzentration

Studien belegen zudem, dass die begrünten Open-Air-Flächen nicht nur positiv fürs Klima sind, sondern auch für den Menschen. Die Vogelperspektive und die deutliche optische Abgrenzung zum Geschehen auf den Straßen und in Büros reduzieren Stress. Der Blick über ein mit wogenden Gräsern und Bäumen begrüntes Dach entlastet das Gehirn, was Aufmerksamkeit und Fokus zugutekommt und Erschöpfung vorbeugt. Die Attention Restoration Theory (ART) besagt, dass schon eine 40-sekündige Mikropause auf einer grünen Dachterrasse hilft, die Konzentration zu steigern und Fehler bei der Arbeit zu eliminieren. Es ist also viel mehr als ein Nice-to-have für die Sommerparty, wenn Unternehmen ein Büro mit Dachterrasse mieten. Der Grünwalder Projektentwickler Rock Capital Group hat aktuell drei mit diversen Architekturpreisen ausgezeichnete Objekte in München, mit Benefits on top in der Vermietung: das HEADS OFFICE im Münchner Norden mit 14 mietereigenen Rooftops, das Neubauquartier HEAVEN an der Nymphenburger Straße im Zentrum sowie das MONACO im Werksviertel mit 580 Quadratmetern Terrassen- und Rooftop-Flächen.

„Damit sind 10 Prozent des gesamten Büro-Neubaus im MONACO für Mieter als Open-Air-Räume geplant. Und durch die architektonisch hervorragend gelöste Gestaltung ist ergänzend auch noch eine Multifunktionsfläche geschaffen worden, die sich je nach Tagesbedarf als Meetingraum, Präsentationsfläche oder Gemeinschaftsküche nutzen lässt. Was früher die Chefetage war, wird so zu einem demokratisch nutzbaren Raum für alle Mitarbeiter. Hier können in der Mittagspause Pasta und Panorama genossen werden, Firmenevents und Fitnesskurse steigen und dank integrierter Medientechnik auch über den Dächern konferiert werden“, so Wißmeier.

Weltweite Superlative in luftigen Höhen

Was bei Office-Projekten schnell ein Employer-Branding-Faktor wird und auch als Third Place außerhalb des eigentlichen Schreibtisches auf die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden einzahlt, bringt auf anderen Gebäuden vor allem Lebenslust: Dachterrassen bieten Paddle-Ball-Courts, gigantische Infinity-Pools wie im 57. Stock des Marina Bay Sands Resort in Singapur, die höchste Laufbahn der Welt auf dem Al Ain Tower in Abu Dhabi in 180 Metern Höhe, sogar eine Achterbahn gibt es in Tokio – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Neben städtebaulichen Aspekten, die Gebäude in den Himmel wachsen lassen und Freizeitaktivitäten dem Boden der Tatsachen entheben, hat die Lust am Leben und Arbeiten noch einen weiteren Grund: Menschen stehen gerne über den Dingen und erleben ein Gefühl der Erhabenheit. Egal, ob im fünften oder 60. Stock, die Welt wirkt von oben geordneter, weniger laut, weniger stressig. „Gerade in Zeiten, in denen urbaner Raum knapp ist, sind Dachterrassen eine willkommene Erweiterung. Die Metaphorik, die diesen Flächen eigen ist, gibt Unternehmen und Arbeitnehmern zusätzlich ein Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein”, sagt Wißmeier. Probleme werden ameisenklein, man selbst fühlt sich unantastbarer. Selbst wenn nur der Aufzug einen in diese andere Sphäre gebracht hat, macht sich das Gefühl breit, etwas geschafft zu haben. Der Gipfel aus Beton macht stolz. Die Vogelperspektive lässt Ideen fliegen. Die Tiefe darunter entfacht kleine Adrenalin-Feuer. Der Alltag? Bleibt ein paar Etagen darunter zurück.