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Mittwoch, 8 Juli 2026
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Valentin-Karlstadt-Musäum: Neu gemacht – Aufgefrischt – In Szene gesetzt

Valentin-Karlstadt-Musäum: Neu gemacht - Aufgefrischt - In Szene gesetzt
Foto: © Valentin-Karlstadt-Musäum

Glanzvolles Wiedersehen mit Karl Valentin, Liesl Karlstadt und der Münchner Volkssängerkunst

Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist wieder zugänglich. Nach einer umfassenden Brandschutzsanierung feiert das Museum im Isartor am 10. Juli nach zwei Jahren seine Wiedereröffnung mit einem großen Fest.

Völlig neu ist die Ausstellung „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“. Sie erzählt die Biografie und Karriere der Bühnenpartnerin von Karl Valentin, zeigt eine unbekannte und private Liesl Karlstadt.

Die Ausstellung geht der Frage nach, wer die Frau ist, die 1892 als Elisabeth Wellano geboren wurde. Wie gelingt ihr vor 100 Jahre ein freies, erfolgreiches und selbständiges Künstlerinnen-Leben? Aus einfachen Verhältnissen stammend, verlässt Elisabeth Wellano den sicheren Beruf der Verkäuferin, wählt die Brettlbühne und schließt sich dem Komiker Karl Valentin an. Als Liesl Karlstadt schafft sie mit ihm noch nie Dagewesenes in der Kunst. Auch privat sind Karl Valentin und Liesl Karlstadt über lange Zeit liiert, obwohl Karl Valentin verheiratet ist. Zunehmend will sie sich von Valentin lösen und als Solo-Künstlerin etablieren. Sie brilliert als Schauspielerin in Hauptrollen am Theater, im Radio und im Film. Das Kino in der Ausstellung zeigt sie mit Karl Valentin auf der großen Leinwand. Weitere Film- und Hörstationen lassen ihr vielseitiges Schaffen lebendig werden – auch kommt sie selbst zu Wort. Verwegen geht sie durchs Leben – ob bei Soloprojekten, auf Reisen oder als Aussteigerin im Gebirge. Mutig meistert sie Lebenskrisen. In den 50er Jahren wird sie zur verehrten Volksschauspielerin.

Als sie 1960 überraschend mit 67 Jahren stirbt, ist zu ihrer Beerdigung ganz München auf den Beinen. Der gefeierte Theater- und Medienstar wird in einem Ehrengrab auf dem Friedhof in Bogenhausen beigesetzt, ein rotes schmiedeeisernes Herz zum Aufklappen ziert seitdem ihr Grab: außen Liesl, innen Wellano. Bis heute: Jenseits der Konvention. „Der Flug zum Mond“, so der Titel der Ausstellung zu Liesl Karlstadt, ist ursprüngliche eine multimediale Inszenierung und das aufwendigste Stück des Duos Karl Valentin und Liesl Karlstadt: Rasant, Utopisch, Abflug in den Himmel, dem Mond so nah, Blitzeinschlag, Absturz und die unerschütterliche Erkenntnis, dass übermorgen selten ein Wind geht. Der „Flug zum Mond“ ist für jeden Museumsgast der stürmische Raketenflug in den zweiten Stock zu Liesl Karlstadt.

Die Ausstellung zu Karl Valentin „Sturzflüge in den Zuschauerraum“ wurde umfassend überarbeitet. Sie überrascht mit Leihgaben von Original-Requisiten aus dem Nachlass Valentins der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln. Das Fahrrad, mit dem Valentin durch „Nacht und Nebel“ fährt oder das Steckenpferd, mit dem er als „Schwerer Reiter“ den Militarismus parodiert. Aus dem Archiv des Valentin-Karlstadt-Musäums wird der aufgedoppelte Zylinder präsentiert, ein Requisit aus dem Stück „Das Christbaumbrettl“ oder die Uniformjacke, in der Liesl Karlstadt als Trommlerbua in den „Raubrittern vor München“ mit Valentin über Ententräume sinniert. Das künstlerische Schaffen von Karl Valentin und Liesl Karlstadt erzählen die Dioramen der Ausstellung. Als Miniaturbühnenbilder wurden diese neu gestalterisch in Szene gesetzt. 

„An jedem Eck a Gaudi“ erzählt die Geschichte der Münchner Volkssänger*innen. Hier ist der Münchner Vorstadt-Blues zu Hause. Volkssänger*innen sind Spaßvögel, Soubretten, Komiker, „drastisch elastische Witzmachersg’selln“.

Das Verspotten und Überzeichnen gehört zur Volkssängerunterhaltung. So war sie anfällig für Populismus, spielte mit Stereotypen und bediente Ressentiments in der Gesellschaft. Diese Momente sind in der Ausstellung neu mit kritischen Interventionen gekennzeichnet. Im runderneuerten Kassen- und Eingangsbereich empfängt die Valentinsche Ritterwelt: Zwischen seiner Philosophie stechen seine Hellebarden ins Auge, sein Euphonium könnte erklingen.

98 Stufen und einen Raketenflug weiter erstrahlt das Turmstüberl in neuem Glanz. Hier haben neue Schätze wie Ballabzeichen, Bierflaschen von 1972 oder ein Ziegelstein als Eintrittskarte aus dem Archiv des Musäums den Weg in das schöne Café gefunden.

Die umfangreichen Brandschutzmaßnahmen für einen sicheren Museumsbetrieb hat das Baureferat von Dezember 2024 bis März 2026 umgesetzt. Auch die Gebäudetechnik hat ein nachhaltiges Update erfahren. Die Geschossdecken sind nun feuerbeständiger, die Treppentürme als Fluchtwege durch Sicherheitsglas und Brandschutztüren von den Ausstellungsräumen abgetrennt. Eine neue Brandmeldeanlage und die neue Sicherheitsbeleuchtung sind ebenfalls Teil des verbesserten Brandschutzes. Neue Elektroleitungen, eine neue Beleuchtung und der Tausch der alten, ineffizienten Nachtspeicheröfen gegen einen Anschluss ans Fernwärmenetz (samt erneuerter Heizungsanlage) machen das Isartor bereit für einen weiteren Lebensabschnitt. Mithilfe dieser baulichen Maßnahmen bleibt es als lebendiges Stück Stadtgeschichte weiterhin gut und sicher erleb- und betreibbar.

Kulturreferent Marek Wiechers: „Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist ein Kleinod in der diversen und reichhaltigen Münchner Museumslandschaft. Ich freue mich, dass dieser wertvolle, kleine und wichtige Ausstellungsort im Isartor über das einmalige Duo Liesl Karlstadt und Karl Valentin dem Münchner Publikum wieder zugänglich ist und neue Aspekte im Leben der Komikerin und des Komikers beleuchtet.“

Das Musäum ist künftig täglich außer mittwochs von 11 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Am Sonntag bereits ab 10 Uhr.

Kuratorinnen: Sabine Rinberger, Laura Mokrohs unter Mitarbeit von Andreas Koll
Gestalterische Leitung und Szenografie: Alfred Küng
Ausstellungsarchitektur Liesl Karlstadt und Kassenbereich: FUN Architekten, Tobias Fürst und Hans Niedermaier

Dioramen: Tinka Kuhlmann Durchschrift
Wandmalerei „Flug zum Mond“: Anette Standl Bauleitung und Aufbau: Herman Schmidt und Team
Kunstschmiedearbeiten: Metallbau Fa. Josef Dopfer

Das visuelle Ausstellungskonzept im Valentin-Karlstadt-Musäum basiert auf der Grundidee von Petra Winderoll und Klaus Würth. Weitere Informationen unter: http://www.valentin-karlstadt-musaeum.de