Festwochenende in St. Ursula in München

Festwochenende in St. Ursula in München
Foto: © Matthias Wagner/DSD

Den Abschluss der sechsjährigen Renovierungsarbeiten an der Vierungskuppel der St. Ursulakirche in München feiert die Gemeinde um Dekan G. R. David W. Theil mit einem Festgottesdienst am Sonntag, den 20. Oktober 2019 um 10.15 Uhr mit der Nikolaimesse von Joseph Haydn. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützte die Arbeiten mit 100.000 Euro. Der sogenannte „Schwabinger Dom“ ist eines von über 420 Projekten, die die in Bonn ansässige private DSD dank Spenden und Mitteln der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.

Das rasant wachsende Schwabing wurde 1890 nach München eingemeindet. Zum Standort einer neuen, ausreichend großen Pfarrkirche wählte man damals die westliche Leopoldstraße, in der der neue Stadtteil sein größtes Entwicklungspotenzial besaß. So entstand auf dem Areal des Kaiserplatzes von 1894 bis 1897 die St. Ursulakirche nach Plänen von August Thiersch im Stil der italienischen Renaissance.

Der Fassadenaufbau – dreijochige Vorhalle und aufragendes Hauptschiff, beiderseits quer bedachte Flügel – entspricht dem basilikalen Aufriss, drei Schiffe und ein leicht aus den Seitenfronten vorragendes Querschiff. An der Westseite ist ein schlanker, siebengeschossiger Campanile mit Pyramidendach eingestellt. Die Säulenbasilika hat über dem Mittelschiff eine flache Kassettendecke, über der Querhausvierung erhebt sich eine achtseitige Kuppel, den östlichen Abschluss bildet eine Halbkreisapsis. Die florentinische Basilika ist aus rotem Backstein gemauert und wird durch Einsätze aus grauem Haustein mit sorgfältiger Detailgestaltung gegliedert. Dadurch adaptiert St. Ursula ganz hervorragend das florentinische Quattrocento im Langhaus und oberitalienischen Kreuzkuppelkirchen um 1500.

Die ausgewogenen Proportionen, die sorgfältige Detailgestaltung und nicht zuletzt die Geschlossenheit von Innenraum und Ausstattung, ferner die besondere städtebauliche Situation, und die Wahl und Realisierung ihrer Stilrezeption verleihen der Schwabinger Pfarrkirche St. Ursula eine besondere Stellung innerhalb des historistischen Kirchenbaus.

Bei der langjährigen Restaurierung der Kuppel wurde die 1933 aufgebrachte Kupferdeckung durch eine Neueindeckung mit Ziegeln ersetzt, um das ursprüngliche Erscheinungsbild der Kirche wiederherzustellen. Die ziegelgedeckte Kuppel bringt das renaissancezeitliche italienische Erscheinungsbild der Kirche wesentlich besser zum Ausdruck als die spätere Kupferblechdeckung. Die Kupferblechdeckung verursachte wohl zudem Schäden am Kuppelkranz und an den Gesimsen.

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