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Eine Pracht in Tracht – Der Trachten- und Schützenzug 2015

Der Trachten- und Schützenzug, der im Jahre 1835 zum ersten Mal zu Ehren der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese von Bayern und dem 25-jährigen Bestehen des Oktoberfestes stattfand, ist heute einer der Höhepunkte des Oktoberfestes.  Bilder durch anklicken vergrößern! Mehr Bilder unter >>Teil 1<<   >>Teil 2<<

Rund 9.000 Mitwirkende, gegliedert in 60 Zugnummern, ziehen vom Max II Monument durch die Münchner Innenstadt zur Oktoberfestwiese und präsentieren die Vielfalt von Trachten, Brauchtum und Volkstanz.

Viele deutsche Bundesländer sind mit Trachten- und Musikgruppen vertreten und nehmen ebenso wie Gäste aus Österreich, Italien, Kroatien, Polen, Türkei, Norwegen und Schweiz am sieben Kilometer langen Umzug teil.

In bunter Folge wechseln sich festlich gekleidete Trachtler mit Musikkapellen, historischen Trachtengruppen, Sport- und Gebirgsschützen, Spielmanns- und Fanfarenzügen und bunten Fahnenschwingern ab. Eine große Abordnung der Bayerischen Gebirgsschützen und der Bayerische Jagdverband mit Jagdhunden und Greifvögeln sind ebenso dabei. Der Bayerische Trachtenverband begleitet traditionell den Zug mit einer Abordnung der 22 Gauverbände und deren Gaustandarten.

Die Prachtgespanne der Münchner Brauereien, geschmückte Festkutschen und nicht zu vergessen eine Vielzahl geschmückte Festwägen mit Handwerks- und Brauchtumsdarstellungen runden das Bild dieses einzigartigen und weltberühmten Trachten- und Schützenzuges ab.

Der Zug wird traditionell hoch zu Ross vom Münchner Kindl angeführt. Dieses Ehrenamt führt seit diesem Jahr neu Laila Noeth aus. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, sowie der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nehmen in ihren Festkutschen am Trachten- und Schützenzug teil.

Wie in jedem Jahr gibt es auch 2015 wieder einige Besonderheiten:

Aus der Region Achensee reisen die 4 Musikkapellen Eben, Achenkirch, Steinberg, Wiesing und die Schützenkompanien Pertisau, Maurach, Achenkirch und Wiesing an. Begleitet werden diese von den Kasettlfrauen aus Pertisau, die die Unterinntaler Festtagstracht tragen (Besonderheit: Hut mit kostbaren Goldquasten und fast bodenlangen Schleifen). Mit dabei eine Postkutsche der historischen Linie München – Innsbruck.

Die Region Achensee wurde durch Kaiser Maximilian bekannt, der im 15. Jahrhundert sein Jagd- und Fischereidomizil dort aufschlug. Der Ursprung der Kompanien geht auf die Freiheitskämpfe 1809 zurück, wo Andreas Hofer mit seinen Tiroler Schützen am Berg Isel gegen die Truppen Napoleons kämpfte. Die Schützen führen 4 Fahnen mit sich. An der Spitze die Herz-Jesu-Fahne aus dem Jahre 1796, sowie eine Beutefahne (Franzosenfahne genannt) aus dem Jahre 1837 (Zug-Nr. 3).

Aus der Schweiz nimmt die Basler Mittwoch Gesellschaft 1907 teil und tritt in den historischen Stänzlerunifomen auf, welche die Basler Standeskompanie bis 1856 getragen hat. Wenn die BMG nicht gerade an so schönen Festumzügen wie hier in München teilnimmt, ist sie am weltbekannten

„Morgenstraich“ an der Basler Fasnacht anzutreffen (Zug-Nr. 7).

Mit handgefertigten, wertvollen Goldhauben kommen die Damen der Alt-Passauer Goldhaubengruppe, welche 1987 gegründet wurde und heute 82 Mitglieder hat. Die Fertigung der wertvollen Goldhauben dauert ca. 350 Arbeitsstunden. Die Biedermeier-Bürgertracht (1820 – 1840) vervollständigt ein bodenlanges Seidenkleid, Wiener Schal, Handtasche, fingerlose weiße Handschuhe, Biedermeiersträußchen und Spitzenschirm (Zug-Nr. 8).

Als Premiere ist zum ersten Mal in diesem Jahr dabei eine Abordnung des Münchner Handwerks und seine Zünfte in traditioneller Kleidung und mit Fahnen und Standarten: Mit Brauern und Mälzer – die Lehrbuam und – madln in schwarz-rot und die Jungbrauer in schwarz-grün, mit Kaminkehrern in ihrer typischen schwarzen Kluft, mit Malern und Lackierern in weiß-gelben Gehröcken und schwarzen Baretten, mit Metallbauern mit ihrem traditionellen Lederschurz, mit Metzgern in strahlendem Weiß und mit Zimmerern in ihren bekannten Cordhosen, -jackets und Schlapphüten. (Zug-Nr. 20.b).

Aus Südtirol reist die Musikkapelle Kastelruth an. Die Tracht der Musikkapelle Kastelruth ist zweifellos eine der auffälligsten des gesamten Schlerngebietes. Nur in der örtlichen Kleidungsgeschichte Bewanderte wissen, dass es sich um keine gewachsene Festtagstracht, sondern um die 1896 teilweise wiedereingeführte Kastelruther Hochzeitstracht (Braut und Bräutigam) handelt. Auffällig daran sind die Halskrause und die weißen, ortstypischen Schuhe. (Zug-Nr. 24a).

Die Norweger in Bayern stammen zwar aus München, tragen aber die „Bunad“ – die norwegische Volkstracht. Fast jedes Gebiet Norwegens hat seine charakteristische Tracht, oft mit Elementen, die sich bis ins Mittelalter zurückdatieren lassen. Der reich bestickte Festtagsbunad und der dazugehörige Silber- und Goldschmuck wurden früher wie heute gerne zu besonderen Anlässen getragen (Zug-Nr. 28).

Aus Zagreb in Kroation präsentieren sich HSPD Sljeme Šestine in der Šestinska Tracht, die eine der schönsten kroatischen Nationaltrachten von außergewöhnlichem Wert ist. Sie ist auf der ganzen Welt, dank ihrer reichen Verzierungen, bekannt. Besonderheit bei den Männern sind der Skrlak (Hut) und die Weste. Der Verein steht für die Erhaltung der Trachten, des Tanzes, der Lieder und dem Spielen auf der Tamburizza (kleine Gitarre). Gegründet 1895, 2015 feiert die Gruppe 120 jähriges Jubiläum (Zug-Nr. 47).

Wild geht es bei den Kroaten zu Pferd, aus Windelsbach in Mittelfranken, zu. Von den nicht regulären Reitereinheiten des Dreißigjährigen Krieges, die in den östlichen Regionen gebildet wurden, waren in der kaiserlichen Armee die Kroaten am stärksten vertreten. Kroaten dienten in den verschiedensten Regimentern, vorzugsweise jedoch bei den Arkebusieren. Daneben traten sie auch in geschlossenen Verbänden als leichte irreguläre Reiterei auf, wodurch die Bezeichnung „Kroaten“ mit der Zeit die Bedeutung einer Reitergattung annahm. In der Schlachtordnung befanden sie sich meistens an den äußersten Flügeln. Im Vorpostenkrieg vollbrachten sie Wunder an Tapferkeit. Wenn es aber darum ging, feindliche Kolonnen zu umschwärmen, die Bewegungen des Gegners auszuspähen, Proviant zu requirieren oder auch nur ganz schlicht Beute zu machen, waren sie stets an vorderster Front zu finden. Sie flogen den Kaiserlichen voraus wie eine Hagelwolke und trugen Schrecken und Verwüstung in die feindlichen Länder. Im Angriff die Ersten, im Rückzug die Letzten; bei Tag und Nacht auf den Beinen, waren sie unermüdlich im Einsatz (Zug-Nr. 47).