Nach Wintereinbruch: MVG am Freitag wieder im Regelbetrieb

Nach Wintereinbruch: MVG am Freitag wieder im Regelbetrieb
Foto: © SWM/MVG

Nachdem die Straßen und Schienen an der Oberfläche am ersten Dezemberwochenende nicht mehr sicher befahrbar waren, musste die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit Ausnahme der unterirdischen U-Bahnstrecken den Betrieb vorübergehend komplett einstellen. Seitdem haben Räumtrupps durchgehend Schnee, Matsch und Eis von den Strecken geräumt. Am Freitag, 8. Dezember, fährt auch die Tram wieder auf allen Linien im Regelbetrieb. Bus und U-Bahn waren bereits vorher zum Normalbetrieb zurückgekehrt.

Als letzte Strecke geht im Laufe des Freitags der Abschnitt Großhesseloher Brücke – Grünwald der Tram 25 wieder in den Fahrgastbetrieb. Zuvor war am Vormittag der Abschnitt Effnerplatz – St. Emmeram der Linien 16/37 wieder in Betrieb gegangen.

MVG-Chef Ingo Wortmann: „Natürlich haben wir Notkonzepte. Das haben wir währen Corona auch unter Beweis gestellt. In der Situation vom vergangenen Wochenende war aber unter keinen Umständen ein sicherer Betrieb möglich – nicht mit und auch nicht ohne Fahrgäste. Wir hatten Unfälle und Entgleisungen. Insofern war es richtig, den Betrieb einzustellen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die teilweise rund um die Uhr, am Wochenende und mitten in der Nacht, daran gearbeitet haben, dass wir den Betrieb Stück für Stück wieder aufnehmen konnten. Danke auch an die Fahrgäste, die zum Teil mit viel Geduld und Verständnis reagiert haben und sich auf allen Kanälen bedankt haben, teilweise auch direkt bei den Räumtrupps und Fahrern.“

Warum wurde der Betrieb eingestellt?
Durch die hohe Last des schnell und in großen Mengen gefallenen Schnees sind Bäume und Äste auf die Oberleitungen gefallen. Dazu mussten auf einigen Streckenabschnitten der Strom abgeschaltet werden, damit die Feuerwehr die Oberleitung wieder freimachen konnte.

Andere Streckenabschnitte hat die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen vorsorglich gesperrt. Ein Großteil der Weichen ließ sich nicht mehr stellen und war gestört, da der Autoverkehr Schnee, Matsch und Eis in die Rillen gedrückt hat. Zu diesem Zeitpunkt war kein sicherer Betrieb mehr möglich. Das gilt auch für die Fahrzeuge, die teilweise noch ohne Fahrgäste unterwegs waren, um die Strecke freizuhalten.

Auch der Busverkehr musste nach mehreren Unfällen aus Sicherheitsgründen vollständig eingestellt werden, weil die Straßen und die Haltestellen nicht geräumt und damit nicht befahr- und begehbar waren.

Warum hat es so lange gedauert, bis die Trams wieder fuhren?
Das größte Problem war das Eis, das sich durch die unumgängliche Einstellung des Betriebs in den Rillenschienen gebildet hat. Verstärkt haben das Problem Räumarbeiten mit kleineren Räumfahrzeugen, die zusätzlich Schnee, Matsch und Eis in die Rillen gedrückt haben, wo es umgehend gefror.

Der gleiche Effekt zeigte sich noch viel intensiver an den Übergängen, an denen Autos die Schienen kreuzen. Diese haben sich zu einem dauerhaften Problem entwickelt. Auch dort wurden Schnee, Matsch und Eis von den Autos in die Rillen gedrückt, wo alles gefror und eine Gefahr zu entgleisen verursachte: Ein Sonderfahrzeug und eine Trambahn sind bei den Räumarbeiten entgleist. Aus diesem Grund konnte das Eis nur manuell mit Salz, Kratzeisen und Bohrhämmern gelöst werden. Das ist auch der Unterschied zum Winter 2006, bei dem nach dem Schneefall unmittelbar Tauwetter eintrat, das nicht zu Vereisungen führte.

Neben der Entfernung von Eis aus den Rillen, mussten auch die Oberleitungen von Schnee und Eis befreit werden. Ein zusätzliches Problem: Bei Schneeräumarbeiten im Bereich der Straßen wurden immer wieder Schneemengen auf das Gleis geräumt.

Herausfordernde Räumarbeiten
50 Mitarbeiter pro Schicht – darunter Tramfahrer, die keinen Fahrdienst machen konnten, und Mitarbeiter anderer Abteilungen – haben in den letzten Tagen die Rillen enteist, damit die Räumfahrzeuge vorankommen und nicht entgleisen. Das Eis saß an vielen Stellen so fest, dass es nur per Handarbeit mit Salz, Kratzeisen oder Bohrhämmern gelöst werden konnte und die Trupps nur meterweise voran-kamen. Die Unterstützer werden teilweise kurzfristig in die Bedienung von Sonder-fahrzeugen und -aufgaben eingewiesen.

Von drei Räumfahrzeugen für die Schiene haben zwei während ihres Einsatzes einen Schaden davongetragen, ein Zwei-Wege-Unimog bekam einen Kupplungsschaden, der zweite einen Gestängebruch durch eine Entgleisung auf ver-eisten Rillen. Damit war kurzfristig nur der Fahrdrahtkontrollwagen einsatzbereit. Wegen eines Oberleitungsschadens am Mittwochabend trug auch dieser einen Schaden am Stromabnehmer davon, konnte über Nacht aber repariert werden und war am Donnerstag schon wieder im Einsatz. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) hat mit einem Zwei-Wege-Räumer unterstützt.

Teilweise Einschränkungen bei der U-Bahn
Zu Beginn des Wochenendes war der Betrieb auf dem U6-Abschnitt Studentenstadt – Garching-Forschungszentrum eingestellt. Nach einem Hubschraubereinsatz zur Befreiung der Bäume von Schnee konnte der Betrieb dann wieder aufgenommen werden. Es gab aber auch teilweise danach noch Fahrtausfälle bei der U-Bahn, wegen Bäumen auf der Strecke und der Tatsache, dass die Notausgänge bei den oberirdischen Bahnsteigen zugeschneit waren. Unregelmäßigkeiten waren auch dadurch begründet, dass Fahrer und Mitarbeiter der Werkstatt nicht pünktlich in die Arbeit kommen konnten. Hinzu kamen wie jedes Jahr witterungsbedingte Schäden an älteren Fahrzeugtypen.

Aufarbeitung und kritische Betrachtung
„Jetzt, wo der Betrieb wieder läuft, werden wir mit der Verwaltung der Landeshauptstadt selbstkritisch in die Manöverkritik gehen. Entscheidend für die Zukunft ist, dass wir ein Verfahren finden, um die Rillenvereisungen zu vermeiden. Außerdem müssen wir die Koordination der Räumdienste verbessern sowie ein frühzeitiges Räumen der Kreuzungsbereiche und Haltestellen erreichen. Der Schnee darf nicht auf den Schienen und an den Haltestellen abgeladen werden“, sagt Ingo Wortmann.