Erforschung von Artenvielfalt und Klimawandel in den Alpen

Erforschung von Artenvielfalt und Klimawandel in den Alpen
Foto: © Nationalpark Berchtesgaden / Wagner Kurt

Die Technische Universität München (TUM) und der Nationalpark Berchtesgaden starten ein dauerhaftes Monitoring der Biodiversität. An 50 Standorten des Nationalparks wird das Forschungsteam mit Langzeitbeobachtungen den Zustand der Arten erheben und die Auswirkungen des Klimawandels analysieren. Es ist das erste große Projekt der vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Kooperation zwischen TUM und Nationalpark.

Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften an der TUM und Leiter des Sachgebiets Forschung und Monitoring der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, und sein Mitarbeiter Dr. Sebastian Seibold stellten heute am Königssee ein langfristiges Biodiversitätsmonitoring vor, das belastbare Daten über die Bestände verschiedenster Arten von Pilzen und Pflanzen über Insekten bis hin zu Vögeln und Fledermäusen generieren soll.

„Der Verlust der Artenvielfalt ist ein weltweites Phänomen. Es hat Ausmaße angenommen, die nicht nur bestehende Naturschutzansätze in Frage stellen, sondern auch Einbrüche der Leistungsfähigkeit von Ökosystemen befürchten lassen“, sagt Seidl. Ein Rückgang der Arten sei auf allen Ebenen der Nahrungskette zu verzeichnen.

Der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber, TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann und Nationalparkleiter Dr. Roland Baier bekräftigten heute ihre Kooperation, die um zusätzliche personelle Mittel erweitert wird.

Die Partnerschaft war 2018 vereinbart worden, um die Ökosysteme des Alpenraums und die Auswirkungen des Klimawandels zu erforschen. Die Erkenntnisse sollen auch für Ökosysteme anderer Gebirgsregionen nutzbar gemacht werden. Prof. Seidl leitet in Personalunion die neu geschaffene Professur der TUM und die Forschung des Nationalparks.

Messstationen für Klima, Insekten und Tierlaute

Der Nationalpark Berchtesgaden zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt an Lebensräumen aus, die bereits seit Jahrzehnten unter Schutz stehen, wie auch durch das dichteste Netz an alpinen Klima-Messstationen.

„Zu Klimaveränderungen liegt uns damit bereits viel Datenmaterial vor. Dieses ergänzen wir jetzt durch die Auswertung von Pflanzenkartierungen, Insektenfallen, Fotofallen für Wirbeltiere, akustischen Aufnahmen von Vögeln und Fledermäusen sowie Bodenproben für Pilze und Bakterien“, erklärt Seidl. „Da im Nationalpark klimatische Effekte nicht durch menschliche Aktivität überprägt sind, lassen sich hier die klimabedingten Änderungen in Ökosystemen besonders gut untersuchen.“

„Wir haben ein Set an Methoden zusammengestellt, mit deren wir die Artenvielfalt und die Bestände im Nationalpark erfassen. Gerade den Nationalparks kommt hier eine besondere Bedeutung zu, da sie ja primär dem Schutz der Natur dienen“, sagt Seibold. Schon in einem Jahr könne man mit ersten Ergebnissen rechnen, zum Beispiel zur Verbreitung von Arten in verschiedenen Höhen. Die Messstationen sollen jedoch dauerhaft bestehen bleiben, um Zeitreihendaten zu erhalten.

Verbindung von Naturschutzmanagement und Grundlagenforschung

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber bringt sein Anliegen und seine Freude über die gelungene Kooperation mit der TUM zum Ausdruck: „Wir schlagen ein neues Kapitel in der Erforschung der Alpenwelt auf. Ziel ist eine umfassende Inventur von Tieren, Pflanzen und Pilzen im Nationalpark Berchtesgaden. Im Nationalpark treffen Wissenschaft und neueste Erfassungsmethoden mit hochmoderner Technik auf einzigartige Natur. Wir wollen von der Natur lernen. Das Potenzial des Forschungsobjekts Nationalpark für einen noch besseren Natur- und Artenschutz ist einmalig, ebenso die Möglichkeiten aus unserer Zusammenarbeit mit der TU München.“

Dr. Roland Baier, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, sagt: „Das wichtigste Ziel in Nationalparks ist das Zulassen der natürlichen Dynamik, eine Naturentwicklung ohne Ziel- und Endzustand und ohne Eingriff des Menschen. Damit sind Nationalparke einzigartige Forschungslandschaften. Die beiden bayerischen Nationalparke nutzen dieses Potenzial auch in diesem Projekt eng und partnerschaftlich. Dank unserer Infrastruktur bestehen hervorragende Möglichkeiten, Informationen über die Entwicklung der Biodiversität in den beiden Nationalparken auch dauerhaft zu erheben.“

TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann betont: „Die herausragende Expertise des Nationalparks im Naturschutzmanagement in Verbindung mit der exzellenten Forschungskompetenz der TUM eröffnet einmalige Perspektiven für die Wissenschaft. Wir wollen neue Erkenntnisse zu Folgen des Klimawandels für die Biodiversität erlangen, die unmittelbar dem Naturschutz vor Ort in den Alpen zugute kommen, aber auch weltweit helfen, eine der größten Herausforderungen der Menschheit zu bewältigen.“

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